Social Facilitation

Die Theorie der Social Facilitation (soziale Aktivierung) besagt, dass Lebewesen bei bloßer Anwesenheit von Artgenossen bei einfachen Aufgaben bessere Resultate erzielen. Schon Floyd H. Allport unterschied in seinen streng behavioristischen Untersuchungen von Gruppenwirkungen die social facilitation von direkter Konkurrenz. Bei komplexen Aufgaben kehrt sich diese Aktivierung um und die Leistung der Person sinkt. Das Phänomen wird durch ein Entstehen von emotionaler Erregung bei der Anwesenheit anderer Personen erklärt, wobei es drei theoretische Positionen gibt:

  • mere presence (deutsch „bloße Anwesenheit“): Diese Theorie besagt, dass Personen allein aufgrund des Wissens, dass andere Personen da sind, erregt werden und deshalb eher mit einer dominanten Reaktion reagieren (Theorie von Robert Zajonc).
  • Bewertungs-Erwartungsthese: Die These besagt, dass beobachtete Personen sich Gedanken über die Erwartungen der Zuschauer machen und deswegen erregt sind, da sie sich nicht blamieren möchten und gut dastehen möchten.
  • Ablenkungsthese: Diese These besagt, dass beobachtete Personen die Personen in ihrem Umfeld wiederum selbst beobachten und deshalb von der Aufgabenstellung abgelenkt sind.

Die Beobachtungen stimmen mit der Regel von Yerkes und Dodson überein, wonach die Leistung bis zu einem Optimum mit der Erregung ansteigt, dann jedoch, bei zu hoher Erregung, wieder abfällt. Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad unterscheiden sich in ihrem Optimum: Bei schwierigen Aufgabe, die viel Kreativität oder eine umfassende Strategie des Problemlösens benötigen, liegt die optimale Erregung geringer als bei einfachen Aufgaben, bei welchen ein erhöhtes Erregungsniveau durchaus vorteilhaft sein kann.

Der Effekt der Social Facilitation beim Essverhalten bewirkt bekanntlich, dass es Menschen in Gesellschaft besser schmeckt und man deshalb auch mehr isst. Nakata & Kawai (2017) untersuchten die Mindestanforderungen, um diesen Effekt hervorzurufen. Dafür setzten sie ältere und jüngere Menschen vor einen Spiegel, vor einen Bildschirm, der eine leere Wand zeigte, und vor ein statisches Bild der Person selbst beim Essen. In beiden Altersgruppen zeigte sich, dass die statischen Essbilder und mehr noch das eigene essende Spiegelbild den Appetit förderten. Möglicherweise kann man dadurch auch die Lebensqualität einsamer Menschen erhöhen, meinen die Autoren.

Anmerkung: Der Gegenbegriff zur sozialen Erleichterung ist das soziale Faulenzen, das Nachlassen von Anspannung aufgrund der Anwesenheit von Artgenossen.

Literatur

Nakata, R. & Kawai, N. (2017). The “social” facilitation of eating without the presence of others: Self-reflection on eating makes food taste better and people eat more. Physiology & Behavior, 179, 23-29.





Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2017