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Schönheit

Als Schönheit bzw. physische Attraktivität bezeichnet man in der Psychologie ein kulturell überformtes Phänomen, das historisch als sehr wandelbar gilt, aber in der Zeit, in der es gilt, als Stereotyp mit oft weitreichenden Konsequenzen betrachtet werden muss. Bekanntlich werden schöne Menschen häufig besser behandelt als häßliche Menschen, man schreibt ihnen generell positivere Persönlichkeitseigenschaften zu wie Mut, Intelligenz, Selbstsicherheit und Freundlichkeit (Halo-Effekt), wobei solche Attributionen auch im Sinne einer sich selbsterfüllender Prophezeihungen wirken können. Daher haben es schöne Menschen oft leichter im Leben als wenig attraktive.

Die Erforschung der Schönheit bzw. Attraktivitätsforschung fokussiert neben körperlichen Merkmalen auch auf Wesenseigenschaften, die soziale Stellung, den beruflichen Erfolg, den materiellen Wohlstand und die Persönlichkeit der Menschen. Schönheitsforschung wird daher in zahlreichenDisziplinen betrieben, neben der Psychologie auch von den Neurowissenschaften, der Verhaltensforschung oder den Wirtschaftswissenschaften.

Nach Musalek (2017a, 2017b) ist das Schöne eine Urkraft der Natur und zentrale Lebenskraft, die alle menschlichen Handlungen und Empfindungen prägt. Schönheit bzw. das Erleben von Schönem sind Kraftquelle und Kraftstoff des Lebens. „Jener auf das Schöne ausgerichtete Wille, jenes Drängen, jene basale dunkle Kraft ist es, was uns dazu bringt, nicht nur zu überleben, sondern überhaupt als Menschen leben zu können – der Wille zum Schönen ist die aus dem Dunkeln kommende Urkraft des Lebens, die uns das Tor in einen lichtvollen Kosmos des als angenehm, freudvoll, begeisternd und genussreich Erlebten öffnet.“

Musalek rekonstruiert das Schöne als einen kreatürlichen Antriebsmotor der Natur, als eine „nie versiegende Kraftquelle“, der auch die Menschen ihre Kreativität und Schaffenskraft verdanken, um selbst wieder Schönes in die Welt zu setzen. Aus der Naturkraft des Schönen wird so eine Kulturkraft (Kosmopoesie). Erscheint in der technisierten und rationalisierten Gesellschaft das Schöne zunehmend verschüttet, geht es für Musalek unter Rückbesinnung auf die Urkraft des Schönen um die Erschaffung einer neuen Welt mittels der Kosmopoesie, die das Schöne wieder ins Zentrum der Gesellschaft und des Lebens jedes Einzelnen rückt.

Nach Urbatsch (2018) passen attraktive Menschen ihre Moralvorstellungen häufiger als andere an ihre jeweiligen Lebensumstände an, was bestätigt, dass Menschen im Grunde ethische Opportunisten sind, was vor allem für das Themenfeld Sexualität gilt. Attraktive Menschen halten Geschlechtsverkehr vor der Ehe eher für in Ordnung und auch der gleichgeschlechtlichen Ehe oder einem liberalen Abtreibungsrecht stimmen sie eher zu. Bei außerehelichen Beziehungen neigen sie dazu, diese nicht besonders verwerflich zu finden. Indirekt folgt daraus, dass unattraktive Menschen strengere sexuelle Moralvorstellungen vertreten, weil sie weniger Gelegenheiten zu körperlicher Nähe bekommen. Grundsätzlich empfinden Menschen Situationen als unfair und fragwürdig, in denen sie weniger als andere bekommen, und versuchen, diese Ungleichheit zu verändern, was auch in der Sexualität so sein könnte.


Übrigens hat Thielsch (2017) gezeigt, dass auch die Schönheit von Websites im Sinne eines Halo-Effektes die Glaubwürdigkeit eines Webauftrittes steigert. Zwar bleibt der wichtigste Attraktor einer Website der Inhalt, doch kann eine optimale Gestaltung nicht nur die Attraktivität sondern eben auch die Glaubwürdigkeit der Inhalte erhöhen bzw. kann u. U. Schönheit die Rezipienten sogar darüber hinaus auch für eine eher geringe Benutzerfreundlichkeit entschädigen.


Siehe dazu auch das Attraktivitätsstereotyp.

Literatur

Musalek, M. (2017a). Der Wille zum Schönen I. Als alles bestimmende Naturkraft. Parodos Verlag.
Musalek, M. (2017b). Der Wille zum Schönen II. Als Kulturgeschehen auf dem Weg zur Kosmopoesie. Parodos Verlag.
Thielsch, M. T. (2017). Ästhetik von Websites – Wahrnehmung von Ästhetik und deren Beziehung zu Inhalt, Usability und Persönlichkeitsmermalen. Pabst.
Urbatsch, R. (2018). Things are looking up: Physical beauty, social mobility, and optimistic dispositions. Social Science Research, 71, doi:10.1016/j.ssresearch.2018.01.006.
http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/schoenheit/13604 (16-11-14)
https://de.wikipedia.org/wiki/Attraktivit%C3%A4tsforschung (16-11-14)




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