Unterschiedsschwelle

Die Unterschiedsschwelle ist in der Psychophysik der minimale Unterschied zwischen zwei Reizen, der erforderlich ist, damit er in 50% der Fälle erkannt wird. Menschen erleben die Unterschiedsschwelle als den eben noch merklichen Unterschied.

Die Unterschiedsschwelle wurde von Ernst Heinrich Weber (1795-1878 ) definiert und sie wird auch als eben merklicher Reizunterschied bezeichnet. Die Unterschiedsschwelle ist demnach der kleinste Unterschied zwischen zwei Reizen, den eine Person gerade noch feststellen kann = (∆S=Si-Sj). Weber ließ seine Probanden ein kleines Standardgewicht und danach ein geringfügiges leichteres Vergleichsgewicht heben und dann beurteilen, welches schwerer wog.

Wenn der Unterschied zwischen Standard- und Vergleichsgewicht klein war, fiel es den Probanden schwer, sie auseinander zu halten; größere Unterschiede entdeckten sie hingegen leicht. Weber stellte fest, dass die Größe des eben merklichen Reizunterschieds von der Größe des Standardgewichts abhing. Wenn also die Größe des Standardgewichts wächst, wächst auch die des eben merklichen Reizunterschiedes. Daher lautet das Webersche Gesetz: ∆S/S=K , wobei K eine als Weberscher Quotient bezeichnete Konstante darstellt und S der Wert des Standardreizes ist, wobei ∆S=Si-Sj. Zahlreiche Utersuchungen haben Webers Gesetz geprüft und bestätigt, dass es für die meisten Sinne gilt, sofern die Reizstärke nicht zu nahe an der Schwelle liegt.

Diese Vorstellung einer Schwelle geht übrigens auf Johann Friedrich Herbart zurück, der meinte, dass ein mentaler Vorgang erst dann erlebt wird, wenn seine Stärke einen bestimmten Minimalbetrag überschreitet. Seine Vorstellung bildete die Grundlage für die klassische Schwellentheorie. Der Theorie zufolge geschieht an der absoluten Schwelle ein plötzlicher Übergang zwischen einem Zustand, in dem ein Beobachter den Reiz noch nicht entdecken kann und einem Zustand, in dem dies dem Beobachter eben gerade gelingt.
Der Übergang erfolgt in der Realität allerdings eher graduell denn abrupt.





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