Verlustaversion

Als Verlustaversion – loss aversion – bezeichnet man in der Psychologie die Tendenz von Menschen, Verluste höher zu gewichten als Gewinne. Die Verlustaversion ist ein Bestandteil der Prospect Theory von Kahneman und Tversky, die behauptet, dass sich Individuen in Entscheidungssituationen irrational verhalten, wenn Unsicherheiten eine Rolle spielen. Diese Annahme widerspricht der neoklassischen ökonomischen Entscheidungstheorie, wonach der Homo oeconomicus nutzenmaximierend und rational handelt. Menschen bewerten eine Investition nämlich häufig nicht nach ihrem Endergebnis, sondern in Bezug auf einen Referenzpunkt, meist dem Preis zum Zeitpunkt des Kaufs eines Objekts wie Aktien. Verlustaversion bezeichnet somit die relative Gewichtung dieser Gewinne und Verluste, wobei Verluste im Urteil von Entscheidungsträgern etwa doppelt so schwer wiegen als gleich grosse Gewinne.
Die Verlustaversion ist eine der wichtigsten psychologischen Einsichten der Verhaltensökonomie und hat Auswirkungen in vielen Bereichen des Lebens, wobei nicht nur Entscheidungen beeinflusst werden, bei denen das Ergebnis zufallsbestimmt ist, sondern auch solche, die sichere Verluste mit sich bringen.
Menschen unterscheiden sich darin, wie verlustavers sie handeln, denn Studien zeigen, dass etwa neunzig Prozent der Probanden eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Verlustaversion bei sicheren Verlusten aufweist, bei unsicheren Verlusten waren es jedoch etwas weniger. Ausserdem ist Verlustaversion bei Menschen mit höherer Bildung seltener, nimmt aber mit dem Alter zu.
Man vermutet den Ursprung dieser Präferenz in der Evolution, denn da ging es für die Jäger in erster Linie darum, jeden Tag genügend Nahrung zum Überleben zu fangen. Es war in diesem Fall nicht wichtig, im langfristigen Durchschnitt höhere Gewinne zu erzielen, da Jagderfolge schlecht mit ergebnislosen Jagden verrechnet werden konnten, denn wenn man an einem Tag fünf Tiere statt nur einem erlegte, konnte die Gruppe doch nur eines verzehren und die überschüssigen Tiere verdarben.
Beispiel: Gewinnen jemand mit Aktie A 1000 Euro an der Börse und verliert anschließend 1000 Euro mit Aktie B, dann ist der Ärger über den Verlust größer als die Freude über den Gewinn. Es ist im Durchschnitt ein Plus von 2000 Euro nötig, um ein Minus von 1000 Euro gefühlsmäßig aufzuwiegen.

Siehe dazu Spekulation als Glücksspiel.



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