latente Inhibition

Latente Inhibition beschreibt eine Abschwächung des Assoziationslernens, wenn ein Reiz ohne jegliche Konsequenz mehrmals dargeboten (präexponiert) wird, bevor er in einer Lernphase (Akquisition) als konditionierter Reiz mit einem unkonditionierten Reiz gepaart wird. Dieses bei Tierexperimenten entdeckte Phänomen lässt sich auch im Humanbereich mit verschiedenen Methoden zuverlässig nachweisen. Meistens wird es über eine Reduktion der dem präexponierten Reiz zugewandten Aufmerksamkeit erklärt (Lubow & Gewirtz, 1995).

Latente Inhibition oder verdeckte Hemmung bezeichnet somit jenen Filtermechanismus im Gehirn, der eine Balance zwischen Weiterverarbeitung aufgabenrelevanter Reize und Hemmung bzw. Ausfilterung aufgabenirrelevanter Reize hält. Diese Hemmung ist wesentlich für effizientes zielgerichtetes Verhalten und ein normaler Mechanismus, denn bei Menschen mit einer niedrigen latenten Inhibition tritt im Gehirn Stress auf und sie kämpfen häufiger mit Müdigkeit, denn für effektives Verhalten ist es notwendig, dass bekannte und unbewusst als unwichtig erachtete Reize aus dem Strom der Aufmerksamkeit gefiltert werden.

Reizüberflutung belastet Menschen auch subjektiv unterschiedlich, d. h., es ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, welche Menge an Reizen für ein individuelles Gehirn noch eine Überflutung bedeutet. Ob und welche körperlichen Erscheinungen bei manchen psychischen Erkrankungen direkt mit einer niedrigen latenten Inhibition zusammenhängen, ist schwer zu entscheiden, denn auch körperliche Erscheinungen könnten eine niedrige latente Inhibition induzieren.

Latente Inhibition bedeutet im Zusammenhang mit menschlichem Lernen auch, dass passende Reaktionen auf bekannte und als unwichtig erachtete Reize langsamer erlernt werden als solche auf neue und noch unbekannte Reize, was bedeutet, dass mehr Konzentration und Aufmerksamkeit zum Lernen erforderlich ist, wenn ein Lerngegenstand langweilig ist. Eine geringe latente Inhibition bedeutet hingegen, dass solch eine Lernverzögerung bei vertrauten Reizen nicht oder weniger deutlich auftritt. Man lernt dann unabhängiger von der Vertrautheit und persönlichen Bewertung eines Lerngegenstands.

Siehe dazu selektive Wahrnehmung.

Literatur

Lubow, R. E. & Gewirtz, J. C. (1995). Latent inhibition in humans: data, theory, and implications for schizophrenia. Psychological Bulletin, 117, 87-103.



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