Ärger

Ärger ist als Emotion in der menschlichen Psyche angelegt und läuft ungewollt und blitzschnell ab, doch parallel schleicht sich häufig die damit verbundene Angst ein, jemand durch seine ärgergesteuerte Reaktion zu verletzen. Die Psychologie grenzt manchmal die Wut von Zorn und Ärger ab, indem sie dabei von einem höheren Erregungsniveau und stärkerer Intensität ausgeht, wobei der Ärger in der Regel auch als distanzierter definiert wird. Ärger lässt sich ähnlich wie die Furcht, im Leben eines Menschen schon sehr früh erkennen, und zwar spontan als Reaktion auf Bedrohungen oder bei der Versagung von Wünschen und Bedürfnissen, aber auch als Reaktion auf Liebesentzug. Nach Ekman (1973) gehört Ärger zu den Basisemotionen (basic emotions) und ist hinsichtlich seiner Funktionen das Resultat evolutionärer Entwicklungsprozesse.

Ärger und Angst sind meist Gegenspieler, denn wenn man sich ärgert, hat man meist Angst, wenn man wütend ist, soll eher der andere Angst bekommen. Überschreitet ein anderer Mensch die persönlichen körperlichen oder emotionalen Grenzen, ist Ärger eine natürliche Reaktion, denn der Verärgerte sieht dann die Selbsterhaltung oder Selbstentfaltung gefährdet. Die starke Emotion Ärger bringt Menschen also zunächst einmal dazu, die eigenen Grenzen zu schützen oder auch sie zu reflektieren, wobei das Problem beim Ärger ist, dass der andere Mensch auf den eigenen Ärger meist ebenfalls mit Ärger reagiert. Ärger stellt immer eine Warnung dar, was manchmal dazu führt, dass diese Gemütserregung oft zu lange unterdrückt wird. Daher ist es nach Ansicht von Experten besser, den Groll früh zuzulassen, ihn wenn möglich für sich selber zu formulieren, ihn zu verstehen und nicht hinunterzuschlucken. Das gelingt aber nur dann, wenn man sich seiner eigenen Schattenseiten bewusst ist, denn schließlich ärgern Menschen andere in der Regel genauso oft, wie sie selber verärgert werden, auch wenn es sich subjektiv möglicherweise anders anfühlt. Das liegt häufig daran, dass man sein eigenes Ich positiver wahrnimmt als es tatsächlich ist.

Oft steht hinter einem Ärger eine passive Aggression, die oft unbewusst abläuft, sodass es bei einer Lösung eigentlich darum geht, diese zu enttarnen. Dazu gehörten etwa Situationen, in denen man bei einer gerade lustvollen Tätigkeit von einem anderen unterbrochen oder an ihr gehindert wird. Oft will man dabei die Harmonie in der Beziehung bewahren und gibt nach, bewirkt aber innerpsychisch genau das Gegenteil. Das Verführerische am Ärger ist auch, dass er bis zu einem gewissen Grad das Selbstwertgefühl steigert, denn Ärger macht manche Menschen angriffslustig und kampfbereit, gibt ihnen einen Augenblick lang das Gefühl, mächtig und unverletzbar zu sein. Je früher sich ein Mensch daher mit seinem Ärger auseinandersetzt, desto eher kann er ihm etwa mit Gelassenheit und Humor begegnen. Das Erkennen des grundlegenden Problems gibt einem die Macht zu entscheiden, den Ärger auch einmal sein zu lassen. Es gibt aber auch eine positive Seite des Ärgers, denn im Ärger steckt auch die Möglichkeit, Situationen zu verändern.

Literatur

Ekman, P., Friesen, W.V. & Tomkins, S.S. (1971). Facial affect scoring technique: A first validity study. Semiotica, 1, 37-53.
http://lexikon.stangl.eu/7211/basisemotionen/ (11-11-17)




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