Gestaltqualität

Der Begriff der Die Gestaltqualität ist ein Grundbegriff sowohl der Ganzheitspsychologie als auch der Gestaltpsychologie. Gestaltqualität ist dabei eine von Christian von Ehrenfels geprägte Bezeichnung für Eigenschaften eines Ganzen, die nur diesem zukommen, nicht aber den die Gestalt konstituierenden Elementen bzw. Einzelheiten des Ganzen, wie etwa bei einer Melodie, bei der einzelne Töne auch ihre Summe noch keine Melodie bildet. Eine Melodie ist daher übersummativ, da sie einer Zusammenfassung ihrer Elemente gegenüber etwas Neues darstellt. Sie bleibt als Verlaufsgestalt erhalten, selbst wenn sie von verschiedenen Instrumenten gespielt wird oder wenn die einzelnen Töne der Tonfolge durch Übertragung in eine andere Tonart ausgewechselt werden (Transposition). Der Gestaltbegriff bei Ehrenfels wird somit durch zwei Kriterien charakterisiert: Die Übersummativität und die Transponierbarkeit. Der Begriff Übersummativität beschreibt die Tatsache, dass eine Gestalt aus mehr besteht als dem Zusammen der Elemente, und der Begriff der Transponierbarkeit bedeutet die Übertragbarkeit der Gestalt auf andere Ebenen oder Orte, ohne dass diese ihren Wiedererkennungswert einbüßt.

Ehrenfels (1890) wirft in seiner Schrift die Frage auf, was etwa unter einer Raumgestalt oder einer Melodie zu verstehen ist und postuliert, dass diese mehr als eine bloße Zusammenfassung von Elementen oder daher etwas diesem gegenüber Neues darstellen müssen, also eine Zusammenfassung von Einzelelemente plus X. Ehrenfels zeigt an seinem Gedankenexperiment, dass es an der Melodie etwas geben muss, das mehr ist als die Summe ihrer Tonhöhen und -dauern. Nach Ehrenfels scheint Gestalt etwas zu sein, das die Summe der Teile zusammenhält und zugleich erweitert. Ehrenfels hatte seinen Aufsatz Über Gestaltqualitäten zur Zeit der Elementenpsychologie verfasst hat, wodurch er deren Art des Vorgehens zu erwweitern versucht. Dabei geht auch Ehrenfels von Elementen aus, denen in der Summe noch eine zusätzliche Qualität hinzukommt, eben die Gestaltqualität.

Max Wertheimer kritisiert diesen Ansatz, da manche Veränderungen innerhalb einer Gestalt keinen Einfluss auf die Ganzheitseigenschaften der Gestalt, also auf die Gesamtstruktur, haben. Eine Struktur mag zwar aus Einzelelementen bestehen, aber diese summieren sich nicht einfach durch ein zusätzliches X, sondern jedes Element innerhalb einer bestimmten Struktur hat seine ihm eigene Funktion, genau durch die Position, an der es sich befindet, definiert wird.

Literatur

von Ehrenfels, Christian (1890). Über Gestaltqualitäten. Vierteljahresschrift für wissenschaftliche Philosophie, 4, 249292.





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