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Phonagnosie

Phonagnosie oder Stimmblindheit bezeichnet die Unfähigkeit, die Identität von Menschen anhand ihrer Stimme zu erkennen, wobei man die Phonagnosie als Folge einer Hirnschädigung und die angeborene Phonagnosie unterscheidet. Einigen Menschen ist es nicht einmal möglich, selbst enge Familienmitglieder und Freunde an ihrer Stimme zu erkennen.

Stimmerkennung ist dabei eine zentrale Leistung des Gehirns, die den meisten Menschen gar nicht bewusst ist, doch ist diese eine der wesentlichsten Funktionen im Zusammenhang mit der menschlichen Kommunikation. Wichtig ist dabei auch die Fähigkeit, dass das menschliche Gehirn seine Aufmerksamkeit fokussieren und die für eine Situation unwichtige Aspekte ausblenden kann (siehe dazu auch das Cocktailpartyphänomen). Bei der Stimmerkennung ist aber eine weitere Fähigkeit bedeutsam, nicht nur zu erkennen, was jemand spricht sagt, sondern auch wer spricht.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Hauptursache für Phonagnosie ein Fehler in stimmenselektiven Hirnarealen und deren Verbindungen im rechten Temporallappen ist, also in Arealen, die auf die Stimmenidentität spezialisiert sind. Gleichzeitig konnte man dabei auch neurowissenschaftlich belegen, dass die zwei Arten der Phonagnosie auf verschiedenen neuronalen Fehlfunktionen basieren. So litt einer der Probanden unter Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung von Stimmen und konnte zwei unbekannte Sprecher nicht voneinander unterscheiden. Bei dieser Person waren die stimmenselektiven Hirnareale weniger aktiv als bei gesunden Menschen. Der zweite Proband wiederum konnte zwar prinzipiell Sprecher voneinander unterscheiden, ihm fiel es jedoch sehr schwer, mit einer Stimme persönliche Informationen zu verknüpfen. Dieses Defizit ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Verbindung zwischen den stimmenselektiven Arealen und den Hirnregionen, die die Stimme weiterverarbeiten und ihr etwa einen Namen zuordnen, nicht richtig funktioniert. Diese Unterformen der Phonagnosie belegen auch, dass sowohl die Wahrnehmung der Stimme als auch die Assoziation weiterer Informationen für die Stimmerkennung wichtig sind.

Literatur
Roswandowitz, C., Schelinski, S. & von Kriegstein, K. (2017). Developmental phonagnosia: Linking neural mechanisms with the behavioural phenotype. Neuroimage, 155, 97–112.
https://www.cbs.mpg.de/Phonagnosie-Hoer-mal-wer-da-spricht (17-05-2)



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