Kompetenzraster

Kompetenzraster sind tabellarische Einschätzungsraster, mit denen Lernende und Lehrende gemeinsam den Entwicklungshorizont abstecken, den SchülerInnen erreichen sollten. Die Kompetenzraster geben sowohl Auskunft über Fähigkeiten, also was ein Schüler oder eine Schülerin kann, als auch darüber, was er oder sie noch alles lernen könnte. Die Formulierungen in den Zellen des Kompetenzrasters ermöglichen es den Lernenden, sich also ein schriftlich festgehaltenes und somit sichtbares Bild von seinen Kenntnissen und auch seinen möglichen Zielen zu machen. Die graduelle Abstufung der Kompetenzbeschreibungen versetzt SchülerInnen in die Lage, sich in diesem Bezugsrahmen zu positionieren. Materialien, Orientierungstests, Arbeitsimpulse oder Lernarrangements laden zur aktiven Auseinandersetzung ein, wobei die Lernlandschaft hinter dem Kompetenzraster einerseits auf Bewährtes aufbauen und andererseits sukzessive durch die Lehrenden gemeinsam mit den Lernenden erweitert und ergänzt werden kann.
In einem solchen Raster kann in differenzierter Weise der Weg von einfachen Grundkenntnissen bis hin zu komplexen Fähigkeitsstufen beschrieben werden. Mit Kompetenzrastern werden Inhalte und Qualitätsmerkmale verschiedener Lern- oder Arbeitsbereiche in Form von ‚Ich kann …‘-Statements definiert, wobei es die Beschreibungen den Lernenden ermöglichen, sich zu orientieren und die eigenen Arbeiten mit den formulierten Kompetenzen in Beziehung zu bringen. Die individuelle Zelle in der Matrix ist dann die in einem bestimmten Zeitraum zu erreichende Kompetenz.
Ein Kompetenzraster bietet also eine Übersicht über die zu erwerbenden Kompetenzen aus Schülersicht, und enthält meist die Kompetenzen für Unterrichtsabschnitte von einem halben oder ganzem Jahr auf unterschiedlichen Leistungsstufen. Damit dient es der Selbstkontrolle der Schülerin oder des Schülers und trägt zur Selbststeuerung bei.
Im Gegensatz zur abstrakten Note machen die „Ich kann …“-Formulierungen in den Feldern der Kompetenzraster deutlich, welche Leistungen der entsprechende Lernende zu erbringen fähig oder willens war, und wo in Zukunft die Akzente zu setzen sind. Kompetenzraster fördern somit das individualisierte und kompetenzorientierte Lernen, indem sie den jeweiligen Lernstand verdeutlichen und zur Festlegung von Zielen geradezu herausfordern, und dienen letztlich einem zu großen Teilen selbstgesteuerten und selbstverantwortlichen Lernen. In einem Dialog zwischen Lehrer und SchülerIn kann sich dann der bestmögliche Lernweg erschließen: Diagnose -> Ziele -> Lernen -> Überprüfung -> Dokumentation -> Was ist mein nächstes Ziel?
Lehrende und Unterrichtende fungieren in einem solchen System als Coach und Moderator der von den SchülerInnen in Gang gebrachten Lernprozesse.
Kompetenzraster sind zunächst auch keine Benotungsinstrumente, können jedoch eine Basis sein, entsprechende Benotungskriterien zu entwickeln, d.h., der Prozess der Leistungsrückmeldung kann mit Kompetenzrastern unterstützt werden. Wenn aus den „Ich kann“-Formulierungen Bewertungen in Form von Noten hervorgehen sollen, dann kann innerhalb einer Niveaustufe ein neues Raster für eine definierte Qualifikation erstellt werden, in dem z.B. der Grad der Selbststeuerung ausgewiesen ist und adäquat mit Noten belegt wird; mit kriterienorientierten Selbst- und Fremdeinschätzungsbögen für die ausgewiesenen Kompetenzen gearbeitet werden. Tabellarisch gegliederte Einschätzungsbögen lassen sich in der Regel gut nutzen, um dem Grad der erreichten Kompetenz bei der Bewältigung konkreter Aufgaben auf die Spur zu kommen und auch einen Konsens über die gefundene Bewertung zu finden.

Kurz und bündig fomuliert: In Kompetenzrastern sind Kompetenzen in verschiedenen Bereichen formuliert und erlauben einen schnelle Orientierung über vorhandene, zur Weiterentwicklung und zum Neuerwerb geeignete Kompetenzen, und leisten daher für SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern eine rasche Kenntnisnahme über den aktuellen Lernstand. Darüber hinaus ermöglichen sie die Planung der selbst anzusteuernden Ziele und motivieren zu den nötigen Aktivitäten, was die traditionelle abstrakte Note nicht leisten kann.

Kompetenzraster werden häufig im Zusammenhang mit direkten Leistungsvorlagen wie Lernportfolios eingesetzt.

Quellen und Literatur
http://www.kompetenzraster.de/ (10-08-02)
Lersch, R. (2007). Kompetenzfördernd unterrichten. 22 Schritte von der Theorie zur Praxis. Pädagogik, 36-43.





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