paradoxe Kommunikation

Paradoxe Kommunikation ist durch Widersprüchlichkeiten in derselben Nachricht gekennzeichnet, wenn eine Mutter ihr Kind zu Nähe („Komm zu mir“) animiert und durch ihre Gestik und Mimik Distanz aus drückt („Bleib bloss weg von mir“). Paradoxe Handlungsaufforderungen fordern den Empfänger der Nachricht zu etwas Unmöglichem auf, nämlich zu tun und gleichzeitig nicht zu tun, was der Sender sagt. Paradoxe Handlungsaufforderungen entstehen dort, wo Menschen unter einem starken Wertedilemma stehen, etwa Karriere zu machen und sich um die Familie zu kümmern, ein cooler Jugendlicher und gleichzeitig anpassungsfähiges Kind zu sein, Selbstbehauptung zu zeigen und sich gleichzeitig anzupassen. Eine Variante ist die „Sei-Spontan-Paradoxie“, d. h., die Aufforderung spontan zu sein führt unweigerlich in eine paradoxe Situation, weil etwas Gefordertes nicht auf Anordnung und spontan gleichzeitig erfolgen kann. Menschen sind immer wieder paradoxen Kommunikationen ausgesetzt, ohne dass man die Normalität verliert oder verrückt wird, denn solche Paradoxien können sogar nützlich und konstruktiv sein, weil sie verwirren und eingefahrene Kommunikationsmuster aufbrechen. Es gibt aber eine Form der Kommunikation, die dieses Risiko in sich birgt, der double-bind: Wenn sich  Doppelbindungen als chronifizierte Beziehungsmuster entwickelt haben, besteht das Risiko, dass der schwächste Kommunikationspartner mit der Zeit als pathologisch reagierend wahrgenommen wird. Im Double-bind sind zwei oder mehrere Menschen in einer existentiellen Beziehung wie etwain einer Ehe aneinander gebunden, wobei die Beziehung durch widersprüchliche Beziehungsbotschaften geprägt wird, die einander existentiell ausschliessen. Das Fatale an solchen chronifizierten Mustern ist, dass gleichzeitig sowohl Metakommunikation  als auch Rückzug verboten sind. Daher ist der Empfänger allen Botschaften hilflos ausgesetzt, er kann nicht nicht reagieren, er darf nicht reagieren und vor allem, er kann auch nie richtig reagieren, denn alles, was er macht, ist in diesem System falsch, sodass massive Gefühle der Irritation, Hilflosigkeit und existentiellen Wut entstehen können, die sich meist gegen sich selbst richtet, aber auch gegen den Kommunikationspartner.

Literatur

http://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/konfliktloesung-in-der-familie/ (11-11-21)

 



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