intrinsische Motivation

Die intrinsische Motivation ist ein Konstrukt aus der Motivationspsychologie und kognitiven Lerntheorie, welches besagt, dass man sich mit etwas (z.B. Tätigkeit, Lernstoff) inhaltlich auf Grund eines inhärenten Motivs auseinandersetzt. Das bedeutet, dass die Beziehung zum Lernstoff den Lernenden motiviert. Das Verhalten wird demnach auch dann begonnen und aufrechterhalten, wenn mit ihm keine zum Motivationsobjekt externen Belohnungen (wie z. B. monetäre, materielle Anreize) oder Bestrafungen einhergehen. Die Belohnung erfolgt vielmehr durch (körperinterne) kognitive und affektive Prozesse. Die intrinsische Motivation bezieht sich daher auf einen Zustand, bei dem wegen eines inneren Anreizes, der in der Aktivität selber liegt, vergleichbar dem Empfinden des Flow-Erlebens. Eine hohe intrinsische Motivation bildet oft eine Voraussetzung für schöpferische Leistungen.

Viele Untersuchungen belegen, dass die intrinsische Motivation der extrinsischen überlegen ist, denn laut einer sechsjährigen Studie an der Universität München ist sie für den Lernerfolg sogar wichtiger als die Intelligenz. Die Forscher erfassten Matheleistungen, IQ-Werte und Art der Lernmotivation von 3530 Schülern von der 5. bis zur 10. Klasse. Es kam dabei nicht darauf an, wie klug ein Kind war, sondern in erste Linie auf die Motivation und auf geschickte Lernstrategien.

Formal betrachtet: Intrinsisch ist demnach eine Handlung dann, wenn Mittel (Handlung) und Zweck (Handlungsziel) thematisch übereinstimmen, also gleichthematisch (endogen) sind. Leistungshandeln ist demnach dann intrinsisch, wenn dieses nur um des zu erzielenden Leistungsergebnisses willen unternommen wird, also bloß um den Zweck der Erprobung an einer bestimmten Aufgabe, um damit die eigene Tüchtigkeit einer Selbstbewertung zu unterziehen. Im Gegenzug ist Handeln dann extrinsisch, wenn Mittel (Handlung) und Zweck (Handlungsziel) thematisch nicht übereinstimmen, also andersthematisch (exogen) sind. Handeln ist in diesem Fall Mittel für das Eintreten andersartiger Ziele, die nicht handlungsinhärent sind, sondern in eine willkürliche Instrumentalitätsbeziehung zum Handlungsergebnis gebracht wurden. Die Einstufung von Handlungen als endogen und/oder exogen basiert auf dem unterschiedlichen Gewicht von intrinsischen Anreizwerten (der gleichthematischen Folgen des Handlungsergebnisses) und von extrinsischen Anreizwerten (der andersthematischen Folgen des Handlungsergebnisses).

Anmerkung: Fälschlicherweise wird in vielen auch wissenschaftlichen Texten die intrinsische Motivation im Gegensatz zur extrinsischen der Person zugeschrieben, was insofern unrichtig ist, als jede Motivation (auch die extrinsische) immer in einer Person „stattfindet“. Das „in-“ bzw. „ex-“ bezieht sich daher auf das Objekt, auf das die Person die motivierte Aktivität richtet.

Die intrinsische Motivation steigt mit der Übereinstimmung zwischen Eigenschaften der Person und ihrer Aufgabe. So lässt sich spekulieren, dass neugierige Menschen (information-seekers) gerne Sachbücher lesen, während Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Ordnung und Bewahrung gerne Briefmarken sammeln. Freizeitaktivitäten sind häufig eher intrinsisch motiviert, während arbeitsbezogene Tätigkeiten häufig eher extrinsisch motiviert sind. Eine intrinsische Motivation sei leistungsfördernder, prägender und angenehmer als eine extrinsische.

Zusammengefasst: Intrinsische Motivation geht mit der Freude am jeweiligen Tun, mit Interesse an der Sache einher, sie bedarf daher keinerlei intrapsychischer Anstöße oder Versprechungen, sie ist demnach autotelisch und beinhaltet Neugier, Exploration, Spontaneität und Interesse an den unmittelbaren Gegebenheiten der Umwelt. Sichtbar wird sie im Bestreben, eine Sache voll und ganz zu beherrschen etwa im Assimilationsprozess im Sinne Piagets. Wenn man eine Sache voll und ganz beherrscht, geht es demnach bei der intrinsischen Motivation auch primär um das Gefühl der Wirksamkeit, wobei dieses Kompetenzerleben neben der Autonomie und der sozialen Zugehörigkeit eine der stärksten Handlungsenergien bereitstellt. Ein intrinsisch motiviertes Verhalten wird daher auch nie mit instrumenteller Absicht durchgeführt, um eine von der Handlung separierte Konsequenz zu erlangen, also für extrinsisch motivierte Handlungen. Man tut intrinsisch motiviert etwas aus keinem Grund, der außerhalb des eigenen Selbst liegt wie einer Belohnung, Anerkennung, Abwendung von Nachteilen oder Ähnlichem.

Unter bestimmten Bedingungen  kann die intrinsische Motivation durch extrinsische Anreize bzw. Belohnungen vermindert werden. Wenn Menschen bloß für die Ausführung einer Tätigkeit ohne Bezug zu einem Leistungskriterium belohnt werden, vermindert sich die intrinsische Motivation für diese Tätigkeit.

Gordon W. Allport unterschied im Zusammenhang mit seiner Vorurteilsforschung übrigens die Begriffe extrinsische und intrinsische Religiosität, indem er postulierte, dass der extrinsisch motivierte Mensch seine Religion benutzt, während der intrinsisch motivierte seine Religion lebt. Deutlich wird das am Beispiel von fanatischen Fundamentalisten, die sich auf eine Religion berufen, ohne diese intrinsisch motiviert zu leben. Sie missbrauchen den Glauben für ihre politischen Ziele und zur narzisstischen Selbsterhöhung. Menschen mit einer hohen intrinsischen Religiosität zeigen eine hohe Toleranz auch gegen den Andersgläubigen, während extrinsisch religiöse Menschen zu einer aggressiven religiösen Intoleranz neigen, um sich der Religion für ihre eigenen, oft politischen oder egoistischen Zwecken zu bedienen. Allport interessierte besonders die Frage, wie religiöse Einstellung und Grad der Religiosität mit Vorurteilen und Intoleranz zusammenhängen.

intrinsisch-extrinsisch

Kurioses zur intrinsischen Motivation

Unter dem Thema „Neuro-Leadership“ bietet ein hier ungenannt bleibender „Experte“ in seinem Führungstraining den Blick auf die „Wertschöpfung unter neuro-psycho-sozio-endokrin-immunologischen Aspekten“ und behauptet: „Wenn Vorgesetzte bei sich und ihren Mitarbeitern intrinsische Motivation auslösen und Entscheidungssicherheit fördern möchten, müssen sie das dopaminerge Belohnungssystem verstehen und für sich einsetzen“. Also nur den Dopamin-Spiegel erhöhen und schon klappt es mit der intrinsischen Motivation der Mitarbeiter!

Quellen & Literatur

Allport, G. W. (1967). Autobiography. In E. G. Boring & G. Lindzey (Eds.), A history of psychology in autobiography (Vol. 5, pp. 3-25). New York: Appleton-Century-Crofts.
Edelmann, Walter (2003). Intrinsische und extrinsische Motivation. Grundschule, 35, 30-32.
http://www.wirtschaftspsychologie-aktuell.de/aerger/aerger-20141208-baerbel-schwertfeger-neuro-quatsch.html (14-12-08)
http://de.wikipedia.org/wiki/Intrinsische_und_extrinsische_Motivation (10-03-04)



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