Weinen

Tränen gehören zu den emotionalen Grundäußerungen des Menschen und schon im Alter von drei Wochen kann ein Baby nicht nur Schreien, sondern auch durch Weinen seiner Umwelt verständlich machen, dass ihm etwas fehlt. Weinen ist daher eine sehr ursprüngliche Kommunikationsform, die jeden anspricht und bildet ein Art Hilferuf an die Umwelt, um Aufmerksamkeit zu bekommen und Fürsorge zu wecken. Wer weint, signalisiert dem Umfeld, dass er Trost und Hilfe braucht, daher wäre es also sinnvoll, in der Öffentlichkeit zu weinen, wo viele potentielle Tröster und Helfer verfügbar sind, doch weinen Menschen eher, wenn sie alleine sind als in der Gruppe. Das dürfte mit deren Sozialisation zusammenhängen, die das Zeigen von bestimmten Emotionen in der Gesellschaft oft als nicht passend sanktioniert.

Bis zum 13. Lebensjahr weinen Buben und Mädchen noch ungefähr gleich häufig, später weinen Männer 6 bis 17 Mal pro Jahr, Frauen hingegen 30 bis 64 Mal, wobei diese dabei auch ausdauernder sind, denn sie weinen sechs Minuten lang, während Männer es maximal auf vier Minuten bringen. Erst nach der Pubertät verändert sich das Verhalten, wobei das weibliche Prolaktin als eine Art Tränenbeschleuniger wirkt, während das männliche Testosteron eine tränenhemmende Wirkung hat.

Weinen geht auch nur bei 6 Prozent der Männer in Schluchzen über, bei Frauen jedoch in 65 Prozent, wodurch weibliches Weinen länger, dramatischer und herzzerreißender wirkt. Frauen weinen am ehesten, wenn sie sich unzulänglich fühlen, vor schwer lösbaren Konflikten stehen oder sich an vergangene Zeiten erinnern, Männer hingegen weinen häufig aus Mitgefühl oder wenn die eigene Beziehung gescheitert ist.

In Ländern, deren Einwohner als besonders glücklich gelten oder die vergleichsweise weit entwickelt sind, wird am meisten geweint wird. So weinen Schwedinnen und Brasilianerinnen weltweit am meisten, und unter den Männern sind es die Italiener. In glücklichen und wohlhabenden Ländern wird offensichtlich mehr geweint, wobei Weinen in diesem Fall nicht so sehr einen Ausdruck des Unglücks darstellt, sondern eher ein Zeichen für Meinungsfreiheit und Toleranz, d. h., die Menschen müssen den Mut haben, ihre Gefühle zu zeigen.

Charles Darwin hielt Weinen für einen Zufall der Natur, wobei nach seiner Ansicht Tränen nur Staub aus den Augen waschen und die Augen feucht halten. Er verglich auch das Weinen mit dem Schütteln, das den Körper bei Schmerz oder Kälte erfasst. Sigmund Freud glaubte, das Weinen die Psyche reinigt, so wie Niere und Leber das Blut sauber halten. Heute ist man eher der Ansicht, dass Weinen mit der vergleichsweise langen Kindheit des Menschen zusammenhängt, denn Weinen dient als Signal, wobei Kinder eher aus Schmerz oder Angst weinen, Erwachsene vor allem aus Empathie.

Literatur

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/KommNonverbale5.shtml (14-03-21)
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GESCHLECHT-UNTERSCHIEDE/Mentale-Erregung.shtml  (14-03-21)





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