Konstruktivismus

Im Konstruktivismus entsteht Wissen auf der Grundlage interner subjektiver Konstruktionen und der Mensch gilt als informationell weitgehend geschlossenes System, welches auf zirkulärer Kausalität und Selbstreferentialität beruht und autonom strukturdeterminiert ist. Danach gibt es keinen Input oder Output und jegliches Wissen ist und bleibt individuell und nicht mit anderen teilbar Wissen ist somit auch nicht durch Lehrende vermittelbar sondern Wissen muss selbstständig konstruiert werden, wobei dem Lehrenden nur die Rolle eines Coaches zukommt, der die Lernenden unterstützen und anregen kann. Gestützt werden die Lernprozesse durch ein ausgewogenes und zurückgenommenes Maß an Instruktion.
Die Gehirnforschung bestätigt diese Grundannahmen des Konstruktivismus: Zwar erhält das Gehirn über die Sinnesorgane verschiedene, bruchstückhafte Informationen über die Umwelt, aber die Wahrnehmung ist nicht die exakte Abbildung der Umwelt im Gehirn, sondern die fantasievolle Konstruktion einer inneren Welt, denn das Gehirn baut sie nach eigenen Regeln und Vorstellungen immer wieder neu zusammen. Dadurch entsteht der Eindruck scheinbar vollständiger Bilder und in sich stimmiger Abläufe.
Der radikale Konstruktivismus verknüpft die Grundgedanken Immanuel Kants u.a. mit der modernen Hirnforschung und lehrt, dass die von Menschen wahrgenommene Außenwelt nur ein Konstrukt bzw. eine Konstruktion des aktiven Gehirns ist. Wir wissen daher nicht, wie die Welt wirklich ist, da die Wahrnehmung nur nach den biologisch gegebenen Gehirnverknüpfungen in unserer Phantasie entsteht. Der Konstruktivist stützt sich dabei darauf, dass die naturwissenschaftliche Hirnforschung zeigt, dass das Gehirn bei der Wahrnehmung der Außenwelt diese nicht so erkennt, wie sie wirklich ist, vielmehr konstruiert es gesteuert von Nervenimpulsen selbst diese Wahrnehmung. Das gilt natürlich nicht nur für wahrgenommene Dinge der Außenwelt wie Häuser, Menschen, Steine, Bäume oder Autos, sondern auch für das Gehirn selbst. Saher sind auch die naturwissenschaftlich festgestellten Eigenschaften des menschlichen Gehirns selbst auch nur menschliche Konstrukte.
Lernen wird wie im Kognitivismus als ein aktiver Prozess gesehen, wobei sich der Lernende dabei auf seine oft angeborenes Wissen und seine Erfahrungen bezieht, mit deren Hilfe er neues Wissen entwickeln kann. Lernen wird als Wahrnehmen, Erfahren, Handeln und Erleben gesehen, und die Kommunikation mit anderen hat das Ziel, in komplexen Situationen gemeinsam Zusammenhänge zu erkennen und Lösungen für Probleme zu erarbeiten.
Ein Lernangebot unter konstruktivistischer Perspektive muss daher offen gestaltet werden, da Lernen ein individueller Prozess ist. Durch eine offene und komplexe Gestaltung der Lernumgebung können sich für den Lernenden jedoch Probleme wie Überforderung ergeben, wobei auch der hohe Zeitaufwand bei diesem Paradigma eine große Rolle spielt.
In den letzten Jahren wurden verschiedene Modelle (Anchored-Instruction-Ansatz, Cognitive Apprenticeship, Cognitive flexibilitiy) entwickelt, die sich zum Ziel gesetzt haben, auf der Basis konstruktivistischer Lerntheorien, anwendbares Wissen zu vermitteln. Gemeinsam ist allen diesen Ansätzen, dass an komplexen authentischen Problemstellungen gearbeitet wird.

Historisches: Bereits im 18. Jahrhundert wurde der Begriff des Konstruktivismus durch den neapolitanischen Philosophen Giambattista Vico (1668 – 1744) geprägt, der seinerseits von den Arbeiten von Johann Amos Comenius (1592-1670) beeinflusst war. Montessori (1870 – 1952) und Piaget waren weitere Autoren, welche den Konstruktivismus prägten. Kern der konstruktivistischen Position, die seit Beginn der 1980er Jahre gegenüber behavioristischen Sichtweisen zunehmend an Boden gewinnt, ist die Auffassung, dass Lernende ihr Wissen aufgrund ihrer Erfahrungen selbst konstruieren. Dies geschieht durch eine interne, subjektive Konstruktion von Ideen und Konzepten. Das in dieser Art und Weise aktiv konstruierte und rekonstruierte Wissen muss keineswegs mit der äusseren Wirklichkeit übereinstimmen. Mit dieser Haltung bildet der Konstruktivismus die Gegenposition zum Objektivismus.

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