kontemplative Psychologie

Die kontemplative Psychologie oder buddhistische Psychologie verbindet Erkenntnisse der westlichen, eher prozessorientierten, therapeutischen Arbeit mit dem Wissen der der buddhistischen Psychologie über das Funktionieren des menschlichen Geistes, wobei nach Ansicht von VertreterInnen dieses Wissen zunehmend durch Erkenntnisse der Neurowissenschaften belegt wird. Eine kontemplative Anschauung bei der Therapie ist dabei von ruhigem, fast meditativem Charakter geprägt und eine Zeit der Besinnung und Beschäftigung mit den Gefühlen, Gedanken und Emotionen. Zentral für die kontemplative Psychologie ist dabei die Annahme, dass jedem Menschen eine unzerstörbare, lebensbejahende Kraft und Gesundheit innewohnt, die auch bei Menschen in Krisensituationen sichtbar wird.

Nach Chögyam Trungpa, dem Begründer der kontemplativen Psychologie, ist das Herzstück die Annahme, dass jedem Menschen ein Kern grundlegender Gesundheit innewohnt. In der kontemplativen Psychologie sind daher nicht die Symptome oder zwischenmenschlichen Konflikte Ausgangspunkte für eine therapeutische Begleitung, sondern die Stärkung der gesunden und kreativen Lebensenergien. Dabei erweitert die kontemplative Psychologie die klassischen systemische Ansätze der lösungsorientierten Beratung, die gleichfalls davon ausgeht, dass alle Menschen vielfältige eigene Ressourcen für die Bewältigung ihrer Lebenskrisen besitzen, sodass die Klientin bzw. der Klient Experte seines Lebens ist und sich selbst am besten kennt. Durch eine achtsame und mitfühlende Beratung rückt das Problem in den Hintergrund und wird zu einer Situation im Leben, auf die der Klient im Augenblick vielleicht einfach nur noch keine klare Antwort hat.

Meditation und Achtsamkeit sind für die kontemplative Psychologie die Arbeitsbasis, denn die Meditation ermöglicht ein achtsames Wahrnehmen der inneren und äußeren Erfahrung, und durch regelmäßig ausgeführte meditative Achtsamkeits- oder Konzentrationsübungen kann sich der unruhige Geist beruhigen und sammeln. Die Übungen helfen dem Klienten zu sehen, was und wer sie wirklich sind, jenseits ihrer erlernten Glaubensgrundsätze, Dogmen und Selbstzuschreibungen. Dadurch lösen sich alte Konditionierungen und Muster, die die unbewusste Grundlage unserer Gefühle und Handlungen sind, sodass der Geist in Einklang mit dem Körper kommt und ein Zugang zu den verdeckten gesunden Kräften ermöglicht wird. Durch die achtsame und akzeptierende Grundhaltung im therapeutischen Gespräch schaffen kontemplative Berater einen geschützten Raum, in dem ein intensiver emotionaler Austausch möglich ist, wodurch tief gehende Veränderungs- und Heilungsprozesse angeregt werden können.





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