Weitsichtigkeit

Bei der Weitsichtigkeit bzw. Übersichtigkeit, Hyperopie oder Hypermetropie handelt es sich um eine Form der Fehlsichtigkeit, die durch ein Missverhältnis zwischen der Brechkraft des Auges und der Länge des Augapfels bestimmt ist. Objekte werden daher bei entspanntem Auge nicht auf der Netzhaut abgebildet werden, sondern dahinter. Da die Brechkraft innerhalb gewisser Grenzen durch An- und Entspannung des Strahlenkörpers verändert werden kann, bereitet Weitsichtigen das Sehen in die Ferne in der Regel keine Probleme, doch je näher ein Objekt aber an das Auge herangeführt wird, desto verschwommener und unschärfer wird es. Diese Fehlsichtigkeit macht sich etwa beim Lesen oder beim Arbeiten am Computer bemerkbar, wobei man vermutet, dass knapp mehr als zwanzig Prozent der Bevölkerung weitsichtig sind. Die Weitsichtigkeit ist vor allem genetisch bedingt und stellt allein keine Erkrankung dar, sondern ist eine Variante der normalen Augenentwicklung. Die Fähigkeit zur Akkommodation nimmt jedoch mit zunehmendem Lebensalter ab und erreicht abhängig vom Grad der Hyperopie meist zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr einen Wert, der zum scharfen Sehen, zunächst in der Nähe und später auch in der Ferne, nicht mehr ausreicht. Diese Veränderung wird auch als Presbyopie wird auch als Alterssichtigkeit bzw. Altersweitsichtigkeit bezeichnet.
Übrigens gilt eine leichte Weitsichtigkeit bis zu zwei Dioptrien bei Kleinkindern als normal, wobei das Auge dies in der Regel selbst ausgleichen kann. Etwa fünf Prozent aller Kinder haben solche Amblyopien bzw. Sehschwächen, wobei sich in den meisten Fällen die Probleme auf ein Auge beschränken. Da sich das Sehsystem in den ersten Lebensjahren entwickelt und am ersten Schultag häufig schon komplett ausgebildet ist, ist es wichtig, Sehfehler bei Kindern früh zu behandeln, denn nur so lassen sich lebenslange Probleme vermeiden. Es gibt ein gewisses Zeitfenster, in dem das Gehirn für das Sehen prägbar ist, und erhält das Gehirn in dieser Zeit etwa aufgrund bestimmter Augenerkrankungen keinen ausreichend scharfen Seheindruck, kann es das vollwertige Sehen nicht mehr erlernen, auch wenn später eine Behandlung erfolgt.
Übrigens ist die altersbedingte Weitsichtigkeit vermutlich keine Folge der Lebens- und Lesegewohnheiten, denn auch Zwergschimpansen werden ab vierzig weitsichtig. Beobachtungen bei Bonobos bringen Hinweise auf Nahsichtprobleme bei älteren Schimpansen, wobei bei der Fellpflege die Distanzen zwischen dem Fellpfleger und dem entlausten Bonobo gemessen wurde. Es zeigte sich, dass ältere Menschenaffen mehr Distanz zum Fell halten, weil sie weitsichtig sind. Daher werden auch ältere Bonobos seltener für die Fellpflege engagiert, was dann ihrem Sozialleben oft abträglich ist. Altersweitsichtigkeit ist somit ein natürlicher Prozess, der evolutionär weit zurückreicht und nichts mit unserer Lesefähigkeit zu tun hat. Beim Menschen wird die Altersweitsichtigkeit vermutlich auch nur deshalb so offensichtlich, da die durchschnittliche menschliche Lebenserwartung höher liegt als jene von Menschenaffen.

Literatur

https://de.wikipedia.org/wiki/Presbyopie (14-11-21)

https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cbersichtigkeit (14-11-21)

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEHIRN/GehirnLernen.shtml (14-11-21)

https://derstandard.at/2000047118160/Auch-aeltere-Bonobos-koennten-eine-Lesebrille-gut-gebrauchen (16-11-07)



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