Zeitempfinden

Menschen haben kein eigenes Organ für das Zeitempfinden, sodass die Zeitwahrnehmung auf zwei Ebenen erfolgt, und zwar einerseits durch die aktuelle Wahrnehmung und andererseits die Erinnerung an Vergangenes. Je mehr Menschen auf die Zeit achten, etwa in Form von Langeweile, desto langsamer scheint die Zeit in der Wahrnehmung zu vergehen, jedoch in der Rückschau werden intensive Erlebnisse wie eine Urlaubsreise viel ausgedehnter erlebt als die Alltagsroutinen.
Durch die in der Gegenwart immer stärkere Zukunftsorientierung verlieren viele Menschen das Gefühl für den Augenblick, d. h., viele leben in dem Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht und Hektik und damit verbundener Stress vorherrscht.
Psychologisch betrachtet ist die Zeit immer die subjektive Zeit, sodass das Zeitempfinden für verschiedene Menschen immer unterschiedlich ist. Die aktuelle Technologisierung geht häufig mit dem Versprechen einher, dass sie Zeit spart, dennoch haben Menschen vor allem durch die neuen Medien aber eher das Gefühl, dass Zeit immer knapper wird. Vor allem durch die neuen Kommunikationstechnologien kommt es zu Verstärkungsprozessen, denn sie machen Menschen immer neugierig (sensation seeking) und belohnen sie mit Informationen, die früher völlig außer Reichweite waren. Da Menschen soziale Lebewesen sind, die durch soziale Reize belohnt werden können, sind etwa SMS oder Emails von Freunden positive Signale, von denen Menschen abhängig und in der Folge sogar süchtig werden können.

Literatur

Wittmann, M. (2012). Gefühlte Zeit: Kleine Psychologie des Zeitempfindens. München; C. H. Beck-Verlag.
Wittmann, M. (2015). Wenn die Zeit stehen bleibt: Kleine Psychologie der Grenzerfahrungen. München; C. H. Beck-Verlag.



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