Risikoverhalten

1. Definition
Es „können all jene Verhaltensweisen als Risikoverhalten verstanden werden, die ein Schädigungspotenzial gegenüber dem eigenen oder der Umwelt bzw. den Lebensbedingungen haben“ (Raithel, 2004, S. 25).
2. Definition
Risikoverhalten bezeichnet Situationen, in denen man aufgrund unvollkommener Informationen Entscheidungen zu treffen hat, wobei sich der Entscheider in Ungewissheit befindet, ob seine Entscheidung die richtige sein wird und ob das angestrebte Ziel erreicht werden kann (vgl. Lünborg, 1977, S. 9).
3. Definition
„Risikoverhalten bezeichnet Verhalten in Risikosituationen“ (Dorsch, 1976, S. 514) In einer Risikosituation gibt es verschiedene Handlungsalternativen mit entsprechenden Handlungszielen. Das Nichterreichen des gewählten Handlungsziels führt zu einem Zustand, der für die entscheidende Person unerwünschter ist als die Ausgangssituation. Risikoverhalten benennt demnach den besonderen Fall des Entscheidungsverhaltens in Ungewissheitssituationen (vgl. Dorsch, 1976, S. 514).
4. Definition
Unter Risikoverhalten „sei zunächst eine persönlichkeitsspezifische Form der Verhaltenssteuerung in Situationen des Zielanstrebens unter gefährlichen Bedingungen verstanden“ (Klebelsberg, 1969, S. 58). Diese gefährlichen Bedingungen sind mit dem Risiko verbunden, das angestrebte Ziel möglichweise nicht nur zu versäumen, sondern sich zusätzlich auch auf einen Bereich negativ auszuwirken, der nicht mit dem Bereich des angestrebten Zieles übereinstimmend ist. (vgl. Klebelsberg, 1969, S. 58)
5. Definition
Risikoverhalten beschreibt das Verhalten in Situationen, in denen man zwischen einem mehr und einem weniger erstrebenswerten Ziel zu wählen hat, wobei das erstere mit geringerer Wahrscheinlichkeit erreicht werden kann als das letztere oder sogar die Gewissheit fehlt, dass es überhaupt erreicht werden kann (vgl. Arnold, Eysenck & Meili, 1972).

Pripfl et al. (2013) haben in einer Untersuchung gezeigt, dass eine Stimulation des dorsolateralen präfrontalen Kortex mit Hilfe schwacher elektrischer Ströme das Risikoverhalten beeinflussen kann. Während des Experiments erhöhten die WissenschafterInnen die Aktivität der Nervenzellen in dieser Gehirnregion entweder in der linken oder in der rechten Gehirnhälfte. Wurde die neuronale Aktivität in der linken Seite gesteigert, optimierten sowohl risikofreudige als auch risikoscheue SpielerInnen ihr Entscheidungsverhalten und verbesserten ihre Punktesumme in der „kalten“ Variante eines Kartenspiels. In dieser Variante mussten die SpielerInnen auf Basis von drei Spielparametern zu Beginn jeder Runde die Anzahl aufzudeckender Karten angeben. In der nächste Runde gab es keine Rückmeldung, ob eine Verlustkarte gezogen wurde oder nicht. Es bestand die Möglichkeit, jederzeit abzubrechen und in die nächste Runde zu wechseln. Für risikofreudige Menschen war die zweite Spielvariante ein Zustand freudiger Erregung und verführerischer Impulse, während es für risikoscheue Menschen ein Zustand mit zunehmend  ängstlichen Impulsen war. Ohne Gehirnstimulation deckten risikoscheue ProbandInnen in dieser zweiten Variante weniger Karten auf als risikofreudige, wurde aber die Aktivität in der rechten Gehirnregion erhöht, veränderte sich das Verhalten: Risikofreudige SpielerInnen reduzierten ihr Risikoverhalten, aber risikoscheue zeigten einen vermehrten Hang zum Risiko. Diese gegensätzliche Veränderung im Verhalten ist Resultat ein und desselben Mechanismus des rechten dorsolateralen präfrontalen Kortex, der affektive Impulse kontrolliert, die aus tieferliegenden Gehirnbereichen Stammen. Während für risikofreudige SpielerInnen die verführerischen und erregenden Impulse besser kontrollierbar werden und sie dadurch weniger Risiko eingehen, reagieren risikoscheue SpielerInnen umgekehrt, d. h., bei ihnen werden die ängstlichen Impulse, einen Verlust zu erleiden, besser beherrschbar, und sie trauen sich mehr zu und steigern ihr Risikoverhalten. Damit könnte die Behandlung psychischer Erkrankungen wie Suchtkrankheiten, bei denen Störungen in der Impulskontrolle vorliegen, gezielt verbessert werden.

Literatur

Arnold, H.J. Eysenck & R. Meili (Hrsg.), Lexikon der Psychologie (S. 203-209). Breisgau: Verlag Herder Freiburg.
Dorsch, F. (1976). Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Hans-Huber.
Klebelsberg, D. (1969). Risikoverhalten als Persönlichkeitsmerkmal. Bern: Verlag Hans-Huber.
Pripfl, J., Neumann, R., Köhler, U. & Lamm, C. (2013). Effects of transcranial direct current stimulation on risky decision making are mediated by ‚hot‘ and ‚cold‘ decisions, personality, and hemisphere“. Eurpean Journal of Neuroscience, toi: 10.1111/ejn.12375.
Lünborg, C. (1977). Risikoverhalten bei Gruppenbildung – Eine empirische Untersuchung. Frankfurt: Johann-Wolfgang-Goethe-Universität.
Raithel, J. (2004). Jugendliches Risikoverhalten: eine Einführung.
Online im Internet: WWW: http://books.google.at/books?hl=de&lr=&id=86ciqwitYo4C&oi=fnd&pg=PA7&dq=jugendliches+risikoverhalten+raithel&ots=TNHy7xi_82&sig=NEbeF_ANpyouGq9Sc8-6VH4wi3w#v=onepage&q&f=false (10-10-30)





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