Fokussiertes Interview

Entstanden ist das fokussierte Interview als Form des qualitativen Interviews im Zusammenhang mit der Kommunikationsforschung und Propagandaanalyse. Solche Studien wurden erstmals in den vierziger Jahren u. a. von Robert Merton durchgeführt. Charakteristisch ist dabei die Fokussierung auf einen im Vorhinein bestimmten Gesprächsgegenstand oder -anreiz, etwa einen Film, den die Befragten gesehen oder ein soziale Situation, die sie durchlebt haben. Im anschließenden Interview werden dann auf Basis eines Gesprächsleitfadens die Reaktionen und Interpretationen des Befragten bezüglich des zuvor festgelegten Fokus in relativ offener Form festgehalten. Im fokussierten Interviews soll den Befragten die Chance gegeben werden, sich frei und auch zu nicht vorhersehbaren Aspekten der Fragestellung zu äußern. So werden etwa assoziative Stellungnahmen der Befragten zum Gesprächsgegenstand berücksichtigt. Ursprünglich wurden fokussierte Interviews vor allem in Form von Gruppendiskussionen durchgeführt, doch werden sie vermehrt auch auf der Basis von Einzelinterviews eingesetzt. Als neuere Formen fokussierter Interviews gelten Interviews, in denen Aufzeichnungen zum Tagesablauf von Gruppen zum Gesprächsgegenstand gemacht werden, oder Interviews die im Rahmen teilnehmender Beobachtung durchgeführt werden, in denen spezifische gemeinsam erlebte Situationen abgehandelt werden, wie etwa Unterrichtssituationen in Interviews mit LehrerInnen in der Unterrichtsforschung. Eingesetzt werden fokussierte Interviews daher heute auch im Rahmen der Unterrichtsforschung und Bildungsforschung.

Siehe dazu das Narrativ-fokussierte Interview.

Literatur
Kaiser, Ruth (o.J.). Narrativ-fokussiertes Interview in der Bildungsforschung. Merkmale, Anwendung, Auswertung.
WWW: http://www.georgpeez.de/texte/kaiser.htm (02-11-18)



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