Spielsucht

Die Spielsucht bezeichnet das pathologische oder zwanghafte Spielen, das sich vor alem darin zeigt, dass es den Betroffenen nicht möglich ist, der Versuchung zu widerstehen, sich an Glücksspielen oder Wetten zu beteiligen. Das Denken der Spielsüchtigen dreht sich in der Regel beinahe ausschließlich um das Spiel, wobei Männer häufiger von Spielsucht betroffen sind als Frauen. Die Wurzeln der Spielsucht liegen häufig in der Kindheit, denn Menschen sind in ihrer Entwicklung dazu gezwungen, gewisse Risiken einzugehen, die mit der Hoffnung auf Erfolg oder sogar auf Außergewöhnliches verbunden sind. In solchen Situationen schüttet der Körper Endorphine aus, die das Risikoverhalten sowohl im Erfolgsfall aber auch bei Misserfolg durch Konditionierung verstärken. Die Aussicht auf einen Erfolg wie einen finanziellen Gewinn verstärkt das Verlangen nach Glücksspiel auch dann, wenn ein Gewinn noch gar nicht erzielt wurde, denn schon potentielle Gewinnchancen sorgen für dieses Verlangen. Hinzu kommt bei Glückspielsüchtigen das trügerische und nicht zu erschütternde Gefühl der Kontrolle über den Spielverlauf, wobei auch das Wissen, dass auf längere Sicht gesehen immer das Casino oder der Buchmacher gewinnt, keine Einstellungsänderung bewirkt. Vor allem Problemspieler überschätzen ihre Gewinnchancen massiv und glauben, über den Ablauf eines Spiels Kontrolle zu besitzen, wobei vor allem Online-Casinos dieses Kontrollgefühl ausnützen, und den SpielerInnen durch near-misses (Beinahefehler) suggerieren, bald sicher einen Treffer oder Gewinn landen zu können. Der Begriff Near Miss stammt übrigens aus der Luftfahrt und bezeichnet einen Beinahezusammenstoß.

Klassische Symptome der Spielsucht

  • Zwang immer wieder Spielen zu müssen
  • Leugnung der Spielsucht
  • aggressive Reaktion, wenn man den Betroffenen auf die Spielsucht anspricht
  • Betroffene stecken trotz normalen Einkommens in finanziellen Schwierigkeiten
  • Spielsüchtige verheimlichen ihren finanziellen Besitz, selbst kleine Beträge
  • Betroffenen fangen an bei Freunden und Verwandten um Geld zu bitten bzw. zu betteln und nennen dabei seriöse Gründe wie Autokauf oder Reise zu einem Bewerbungsgespräch
  • Diebstahl von Geld und Wertsachen im Freundes- und Familienkreis

Test des Kompetenzzentrums für Verhaltenssucht am Universitätsklinikum Mainz

Wenn man mindestens drei dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet, sollte man über sein Spielverhalten nachdenken:

  • Müssen Sie manchmal mehr und häufiger Glücksspiele spielen, als Sie ursprünglich vorhatten?
  • Setzen Sie im Vergleich zu früher heute mehr Geld oder Zeit für Glücksspiele ein?
  • Haben Sie schon einmal versucht, mit dem Glücksspielen aufzuhören, und es nicht geschafft?
  • Spielen Sie vor allem auch dann Glücksspiele, wenn Sie Langeweile beziehungsweise Stress haben oder traurig sind?
  • Wenn Sie an das Glücksspielen denken, verspüren Sie dann körperliche Symptome wie Herzrasen, feuchte Hände oder ein inneres Kribbeln?
  • Leiden Sie unter Ihrem Glücksspielverhalten?
  • Kreisen Ihre Gedanken häufig um Gewinnchancen oder um die möglichen Gewinne?
  • Verspüren Sie oft ein unwiderstehliches Verlangen, Glücksspiele zu spielen?
  • Vernachlässigen Sie wegen des Glücksspielens bestimmte Verpflichtungen (Beruf, Hobby, Beziehungen)?
  • Wenn Sie nicht Glücksspiele spielen können, fühlen Sie sich dann unruhig, gereizt oder verspüren Sie unangenehme körperliche Symptome?
  • Versuchen Sie Ihre Spielleidenschaft zu verheimlichen?

1.    Definition
„Spielsucht, die: einer Sucht(1) ähnlicher, unwiderstehlicher Drang, sich dem Glücksspiel zu überlassen“ (Ohne Autor, S. 3315, 1995)

2.    Definition
Sucht definiert sich als übermäßiges Bedürfniserlebnis dessen momentane Befriedigung den Spannungszustand nicht beseitigt, sondern noch verstärkt (vgl. DAS GROSSE DUDEN-LEXIKON S. 742). Bezogen auf Spielsucht kann man von einer Verschlimmerung des Zustandes ausgehen, je mehr der Betroffene versucht sein Bedürfnis nach Glücksspiel zu befriedigen.
3.    Definition
Sucht [svw, Krankheit, wie die Fallsucht – gehört etymologisch zu >>siech<<], i.w.S. jede zwanghafte Befriedigung eines Bedürfnisses mit dem Kennzeichen physischer und ps. Abhängigkeit. Bei der Sucht wird ein abnormes, unerträglicher Zustand der inneren Spannung, Leere usw. stärker und zwingender erlebt als beim normalen Bedürfnis. Befriedigung hebt den Zustand nur kurzfristig auf, er wiederholt sich dann gesteigert (vgl. Dorsch, Psychologisches Wörterbuch, 1976).

4.    Definition
Im Handwörterbuch Psychologie wird Sucht etymologisch vom Begriff „Siechen“ abgeleitet. Allfällig kombiniert sich das Wort nur mit einem Symptom, das durch den Begriff „Sucht“ als krankhaft oder krankhaft übersteigert charakterisiert wird (vgl. Handwörterbuch Psychologie S. 752-757, 1992)
5.    Definition
„Seit seiner erstmaligen offiziellen Anerkennung als psychologische Störung im DSM-III im Jahre 1980 [APA, 1980] wird das pathologische Spielen als eine Form der Impulskontrollstörung klassifiziert. Diese Einordnung, steht in der Tradition der klassischen, deskriptiven Psychiatrie, in der bereits Kraepelin [1915] die <<Spielwut>> als <<impulsives Irresein>> auffasste.“ (Müller-Spahn & Margraf, S. 13, 2003)

Literatur
BROCKHAUS ENZYKLOPÄDIE,(1995), F.A. Brockhaus Mannheim.
Ohne Autor,  Sucht (S. 742) DAS GROSSE DUDENLEXIKON.
F. Drosch (1976). Dorsch Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Hans Huber.
Asenger, R. & Wenninger, G. (1992) Handwörterbuch Psychologie. Weinheim : Psychologie Verlags Union.
Müller-Spahn F. & Margraf, J. (2003). Wenn Spielen pathologisch wird. Freiburg: S. Karger GmbH.





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