narrative Identität

Unter narrativer Identität versteht man die Konstruktion der eigenen Identität, die auf der Erzählung der eigenen Lebensgeschichte aufbaut. Dieses Konstrukt findet man innerhalb der narrativen Psychologie, also jenem methodischen Ansatz, der versucht zu verstehen, in welcher Weise Erzählungen und Geschichten von Menschen für die Sinngebung herangezogen werden. Die narrative Psychologie geht davon aus, dass Menschen ihrem Leben Sinn und Bedeutung verleihen, indem sie Erlebnisse in Form von Geschichten und Erzählungen wiedergeben. Einzelne Lebensereignisse werden dabei nicht wie von selbst miteinander verbunden betrachtet, sondern Verbindungen und Plausibilität werden erst im Prozess des Erzählens vom Subjekt selber geschaffen. Ausgangspunkt für eine solche Erzählung sind dabei weder die Fakten noch der Glaube daran, dass es wirklich so war, sondern die aktuelle Präsenz des erzählenden Subjektes. Erzählungen sind daher nicht zwingend das Ergebnis einer wie auch immer gearteten Vergangenheit, sondern der Versuch des Erzählers, aus der Perspektive des Hier und Jetzt eine für den Zuhörer und sich selbst kohärente Geschichte zu formulieren. Ein besonderes Interesse innerhalb der narrativen Psychologie gilt dabei den Erzählungen einer Person über sich selbst, also ihrer Konstruktion des Selbst und der eigenen Identität.

Literatur
Kraus, W. (1998). Narrative Psychologie. In S. Grubitzsch & K. Weber (Hrsg.), Psychologische Grundbegriffe. Ein Handbuch. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Narrative_Psychologie (09-11-14)




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