Mehrsprachigkeit

Mehrsprachigkeit bezeichnet in der Pädagogik die Fähigkeit eines Menschen, mehrere Sprachen zu sprechen und sich in diesen ausdrücken zu können. Mehrsprachigkeit bedeutet für ein Individuum vor allem, dass mehrere Sprachen in verschiedenen Lebenszusammenhängen benützt werden, wobei die Sprachen nicht alle auf gleichem Niveau in allen sprachlichen Fertigkeiten wie Hören, Sprechen, Lesen bzw. Schreiben und in allen Lebensbereichen beherrscht werden müssen. Der Grad der Beherrschung differiert in der Regel je nach Funktion der Sprache und je nach Sphäre, in der eine Sprache genutzt wird. In der Regel verändern sich Sprachkompetenzen des Weiteren nach Lebenssituation, sodass sich damit zusammenhängend auch die Sprachverwendung ändert, weshalb Mehrsprachigkeit nicht als statisches Konstrukt betrachtet werden kann. Im Begriff der Mehrsprachigkeit sind daher auch Dialekte, Soziolekte, Schriftsprache, Umgangssprache und weitere Sprachenformen inkludiert.
Global betrachtet ist übrigens die Einsprachigkeit die Ausnahme und Mehrsprachigkeit die Regel, wobei zahlreiche Untersuchungen belegen, dass beim frühkindlichen Erwerb der Mehrsprachigkeit keinerlei spätere Defizite nachzuweisen sind. Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, können im frühen Alter Sprachen gut voneinander trennen und Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten der Sprachen im Vergleich zu monolingualen Kindern mühelos erkennen.
Mehrsprachigkeit beeinflusst nach neueren Erkenntnissen vor allem das Gehirn positiv, denn wenn Kinder im Alltag mit mehreren Sprachen umgehen müssen, stellt das kein Problem für das kindliche Gehirn dar. Untersuchungen haben gezeigt, dass mehrsprachige Kinder sogar Vorteile haben, die weit über das größere Sprachvermögen hinausgehen, denn sie können sich meist besser konzentrieren und Konflikte lösen, indem sie sich besser in andere hineinversetzen können. Mehrsprachige müssen, wenn sie eine Sprache sprechen, die andere unterdrücken, also kontrollieren, denn alle Sprachen, die ein Mensch lernt, werden Teil eines einzigen Sprachsystems, und wird eine Sprache gesprochen, muss das Gehirn die anderen Sprachen simultan in den Hintergrund rücken. Um die jeweils konkurrierende Sprache in Schach zu halten, entwickelt das Gehirn von Mehrsprachigen früh eine ausreichende kognitive Kontrolle, indem in bestimmten Arealen des Gehirns, die für die Steuerung der Sprache verantwortlich sind, ab dem Kleinkindalter mehr graue Substanz angelegt wird, was diese Areale des Gehirns (Nucleus caudatus, Anteriore cinguläre Cortex) leistungsfähiger macht. Doch diese beiden Bereiche sind nicht eben nur Teil des Sprachsystems, sondern auch anderer wichtiger Systeme, etwa auch für die Aufmerksamkeit oder soziale Kompetenz zuständig.

Siehe dazu im Detail
Mehrsprachigkeit zwischen Bildungschance und Bildungsrisiko (16-05-21)
Mehrsprachigkeit: Chance oder Hürde beim Schriftspracherwerb? (16-05-21)
Mehrsprachigkeit verändert das Gehirn (16-05-21)
Leseverständnis, Familiensprache und Freizeitsprache (16-05-21)




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