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Binge-Drinking

Binge-Drinking, auch Rauschtrinken, Komatrinken oder Komasaufen, bezeichnet analog zum Binge-Eating die Konsumation von großen Mengen Alkohol in kurzer Zeit, um einen veränderten Bewusstseinszustand (Rausch) herbeizuführen, um beschwipst oder angeheitert zu sein. Dabei wird in der Regel eine konsumierte Menge von fünf oder mehr Standardglas angenommen, wobei hier schon ein gewisser Grad an Alkoholvergiftung wahrscheinlich ist. Ein Glas enthält etwa 10-12 g reinen Alkohol, wobei sich diese Alkoholmenge bei den typischen Glasgrößen jeweils in einem kleinen Glas Wein (0,125 l), in einem kleinen Glas Bier (0,33 l) oder in einem Schnapsglas (0,04 l) findet, wobei die Grenzwerte für den Konsum alkoholischer Getränke für Männer (fünf Gläser und mehr) und für Frauen (vier Gläser und mehr) mit je etwa 10 g Alkohol bei einer Trinkepisode definiert werden.

Im öffentlichen Diskurs und in den Medien wird Komasaufen meist mit exzessivem Alkoholkonsum von Jugendlichen gleichgesetzt, oft auch mit dem erklärten Ziel, betrunken zu werden. Binge Drinking ist jedoch weit davon entfernt, zum Massenphänomen zu werden, dennoch muss registriert werden, dass es Jugendliche gibt, die sich bis zur Besinnungslosigkeit betrinken, wobei dies nicht mehr ausschließlich männliche Jugendliche sind, und dass auch Jugendliche unter 16 Jahren Alkohol konsumieren. Extremer Alkoholkonsum und auch der Konsum illegaler Substanzen entspringen dem Bedürfnis Jugendlicher, sich auf die Suche nach extremen Erfahrungen, Grenzerlebnissen, Rausch und Abenteuer zu begeben. Binge Drinking beeinflusst die Gedächtnisleistung von Jugendlichen und man geht davon aus, dass sie massiv ihre kognitive Fähigkeiten für ihr späteres Leben einbüßen. Besonders das prospektive Gedächtnis leidet darunter, das dafür verantwortlich ist, Vorhaben zum rechten Zeitpunkt umzusetzen, etwa das Einhalten von Terminen, die Einnahme vom Medikamenten oder eine Rechnung, pünktlich zu bezahlen. An Studenten wurden getestet, wie gut sie sich eine Folge von Aufgaben merken könne, wobei die Komatrinker unter ihnen bei dem Test deutlich schlechtere Leistungen zeigten. Man vermutet, dass exzessives Trinkverhalten die neurokognitive Entwicklung des Gehirns bei Jugendlichen beeinflusst.

Bekanntlich kann der Alkohol manche Menschen aggressiv oder sogar gewalttätig machen, wobei das Denison et al. (2018) auf Veränderungen im präfrontalen Cortex zurückführen, also jener Gehirnregion, die daran beteiligt ist, den Aggressionspegel zu dämpfen. In einem Experiment ließ man junge Männer je zwei Drinks trinken, die entweder Wodka oder keinen Alkohol enthielten, und untersuchten danach die Durchblutung des Gehirns, während man die Probanden mit verschiedenen provokativen Verhaltensweisen oder Aggressionshandlungen konfrontierte. Provokationen hatten dabei keinen Einfluss auf die Neuroenaktivität, doch bei aggressiven Verhaltensweisen nahm die Aktivität im präfrontalen Cortex bei jenen Teilnehmern, die Alkohol getrunken hatten, ab, d. h., die ausgleichende Wirkung dieses Areals nahm ab. Dieser dämpfende Effekt war auch in jenen Gehirnregionen erkennbar, die bei Belohnungen eine Rolle spielen.

Im Factsheet der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen wird festgestellt, dass das Trinken großer Mengen Alkohol in kurzer Zeit kein neues Phänomen darstellt: „Es existiert nicht erst seitdem sich der Begriff Binge-Drinking in Deutschland durchgesetzt hat. Die Dramatik des tödlichen Ausgangs von Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen hat in der Öffentlichkeit dazu geführt, dass das Trinken großer Mengen Alkohols vor allem als Problem der Jugend wahrgenommen wird. Für die sensationsorientierte Berichterstattung eignen sich Extremsituation und Alkoholexzesse zur Auflagesteigerung. Tatsächlich kann man jedoch bei Volksfesten oder in der Karnevalszeit und bei vielen weiteren Gelegenheiten erleben, dass vor allem Erwachsene jede Gelegenheit nutzen, Alkohol zu trinken, häufig bis zum Rausch. Übermäßiger Alkoholkonsum ist kein spezifisches Problem der Jugend, sondern eines, das große Teile der Gesellschaft quer durch alle sozialen Schichten betrifft.“

Anmerkung: Die Behauptung, dass jeder Rausch mit zehntausend verlorenen Gehirnzellen einhergeht, ist ein Mythos. Untersuchungen zeigen, dass Alkohol nur die Kettenreaktion der Nervenzellen verlangsamt, d. h., die Informationen kommen im Gehirn verzögert an, was unter anderem die Reaktionszeit etwa von Ohren und Augen negativ beeinflusst. Untersuchungen mit Überprüfungen der Gedächtnisleistung zeigen auch, dass sich das Gehirn nach einem Rausch im Normalfall vollständig erholt. Dennoch ist zu viel Alkohol gefährlich und greift eben andere Organe wie die Leber an und hat dadurch indirekt auch negative Einflüsse auf das menschliche Gehirn, sodass vom übermäßigen Konsum nach wie vor abzuraten ist. Hinzu kommt, dass Alkohol ein Nervengift ist, das wasserlöslich und fettlöslich ist, d. h., Alkohol wird im Darm aufgenommen und zirkuliert dann im Blut. Da die Gehirnzellen sehr fettreich sind, wird Alkohol auch dort schnell aufgenommen.

Literatur

Denson, T. F., Blundell, K. A., Schofield, T. P., Schira, M. M., & Krämer, U. M. (2018). Alcohol intoxication alters the relationship between activity in the prefrontal cortex and reactive aggression. Cognitive, Affective, & Behavioral Neuroscience.
Langer, Gabriele (2007). Alternativen zur Betäubung.
WWW: http://derstandard.at/?url=/?id=2894270 (07-06-05)
Stangl, W. (2007). Binge Drinking – Komatrinken bei Jugendlichen. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/SUCHT/AlkoholKinderJugendliche.shtml (07-09-09)
http://www.welt.de/gesundheit/article13906509/So-profan-ist-die-Psychologie-des-Komasaufens.html (12-03-07)


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