Expertiseforschung

Die Expertiseforschung (Ericsson & Charness, 1994) untersucht, wie sich AnfängerInnen und ExpertInnen in ihren Kompetenzen und deren psychologischen Grundlagen unterscheiden. Ziel der Expertiseforschung ist es, herauszufinden, wie man vom Anfänger zum Experten auf einem Gebiet (angefangen vom Schach über verschiedene Sportarten bis zum Erlernen eines Instruments) wird, und wie sich dieser Prozess gezielt fördern lässt. Die Ergebnisse der Expertiseforschung zeigen, dass erlerntes fachspezifisches Wissen und erlernte fachspezifische Fähigkeiten die Basis von Expertise bilden, wobei Experten nicht nur größeres sondern vor allem besser vernetztes und organisiertes Wissen besitzen als Anfänger. Dabei hängt das Ausmaß an fachspezifischen Kenntnissen und Fähigkeiten, also letztlich das Ausmaß der Expertise, wesentlich von der bisher aufgewendeten Lern- und Übungszeit ab. Experten wie Berufsmusiker oder Schachgroßmeister haben in ihrem Leben viel mehr Stunden an Übung in dem jeweiligen Fachgebiet aufgewendet als Menschen mit geringerer Expertise.

Allerdings trägt nicht allein das reine Ausmaß der aufgewendeten Übungszeit zum Expertiseerwerb bei, sondern vor allem intelligentes Üben, d. h., wenn ein schlechter Musiker einfach nur sehr oft bestimmte Musikstücke spielt, so wird er eher seine Fehler wiederholen als sie auszumerzen. Es ist daher für Experten charakteristisch, dass sie kontinuierlich und gezielt die eigenen Schwächen erkennen, an diesen arbeiten und sich immer wieder neue anspruchsvolle Lernziele setzen. Ein solcher Lernprozess verlangt nicht nur Zeit, Ausdauer und Motivation, sondern auch beständiges Feedback von außen, etwa durch den Lehrer oder Trainer, das dem Übenden hilft, in diesem dynamischen Prozess die jeweils aktuellen eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen. Darüber hinaus beeinflusst auch die allgemeine Intelligenz den Erwerb von Expertise sehr stark, wobei angeborene Begabungen ebenfalls eine gewisse Bedeutung haben, die aber von Laien in ihrer Wichtigkeit oft überschätzt werden. Intelligenzdefizite können daher bis zu einem gewissen Grad durch ein hohes Maß an effizientem Üben kompensiert werden, sodass auch Menschen mit eher geringer Intelligenz vermutlich in längerer Zeit auch ein hohes Maß an Expertise erwerben können.

Literatur
Ericsson, K. A., & Charness, N. (1994). Expert performance: Its structure and acquisition. American Psychologist, 49, 725–747.





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