Expressives Schreiben

Expressives Schreiben dient zur schriftlichen Verarbeitung und Auseinandersetzung mit belastenden Erlebnissen, und stellt in manchen Fällen eine begleitende Maßnahme einer Psychotherapie dar. An drei bis fünf aufeinanderfolgenden Tagen schreibt man dabei für je 15 bis 20 Minuten über jenes Thema, das emotional belastet, also etwa den Tod eines nahestehenden Menschen, einen Unfall, aber auch bestehende Konflikte oder eine Krankheit. Besonders wirkungsvoll ist das expressive Schreiben, wenn es gelingt, in Form einer zusammenhängenden Geschichte zu erzählen, Bruchstücke von Erinnerungen zusammenzufügen und dabei die Perspektive zu wechseln, also etwa auch in der dritten Person zu schreiben und so Distanz zu schaffen. Es empfiehlt sich aber in manchen Fällen nach einem traumatischen Erlebnis ein bis zwei Monate zu warten, denn wenn die Gefühle zu stark werden, kann das Schreiben eher aufwühlend wirken.
Studien haben bestätigt, dass expressives Schreiben u. U.  sogar die Aktivität des Immunsystems fördert. Expressives Schreiben kann vor allem bei Depressionen helfen, weniger zu grübeln, und auch Menschen, die Schreckliches erlebt haben, überwinden mit solchen Schreibübungen leichter eine posttraumatische Belastungsstörung. Aber auch gegen Prüfungsangst helfen Papier und Stift, denn StudentInnen, die vor einer Prüfung ihre Ängste aufschrieben, half gerade jenen mit starker Prüfungsangst am meisten.
Expressive Schreiben hat nach Untersuchungen einen positiven Einfluss auf Übererregungssymptome und die Häufigkeit negativer Stimmung, kann jedoch keine Veränderung bewirken hinsichtlich eines positiven Affekts oder Depressivität. Wirksam sind dabei nicht die Selbstwirksamkeitserwartungen oder Strategien zur Emotionsregulation, sondern eher die wahrgenommene Intensität der Schreibsitzungen. Expressives Schreiben wirkt daher in spezifischerem Ausmaß durch die Exposition als Wirkfaktor.

Literatur

Pennebaker, J.W. & Beall, S. K. (1986). Confronting a traumatic event: Toward an understanding of inhibition and disease. J Abnorm Psychol, 95, 274-281.
Stangl, W. (2014). Grübeln einmal anders.
WWW: http://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/gruebeln-einmal-anders/ (14-11-21)





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