Szientismus

Der Szientismus, manchmal auch als Szientizismus oder Scientismus bezeichnet, geht als philosophische Position von der Prämisse aus, dass sich mit wissenschaftlichen Methoden alle sinnvollen Fragen des Lebens beantworten lassen. Der Szientismus geht dabei meist von einem positivistischen Verständnis der Methoden aus und wird daher oft mit dem Positivismus oder mit einer extremen Haltung des Positivismus gleichgesetzt. Nach dem Szientismus sind alles Aussagen, die sich nicht durch wissenschaftliche Methoden begründen lassen, wie etwa in der Religion oder der Metaphysik, sinnlos oder sprechen über nicht existente Dinge. Meist fordert der Szientismus die Anwendung wissenschaftlicher Methoden in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen, etwa auch der Politik. Der Szientismus ist der Auffassung, dass es weder etwas außerhalb des Gegenstandbereichs der Wissenschaft gibt noch einen Bereich menschlicher Aktivität, auf den sich wissenschaftliche Erkenntnisse nicht erfolgreich anwenden ließen.

Dabei existiert die Szientismusthese im engeren Sinne in verschiedenen Varianten:

  • Der methodologische Szientismus vertritt die Auffassung, dass die Methoden der exakten Wissenschaften (in der radikalen Variante nur der Naturwissenschaften) anwendbar auf und ausreichend für den Aufbau der Humanwissenschaften sind.
  • Der moralische Szientismus vertritt den „technologischen Imperativ“: Was man versteht, sollte man umsetzen – can implies ought. Eine moralische Beschränkung bei der Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnis ist demnach nicht gerechtfertigt.
  • Die These der Szientokratie: Menschliche Beziehungen und Gesellschaften können ausschließlich nach wissenschaftlichen Kriterien organisiert werden, d. h., auch Ethik kann letztlich wissenschaftlich begründet werden.




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