Bullshit

Bullshit ist definiert als eine Äußerung oder Behauptung ohne Beachtung des Wahrheitsgehaltes, und unterscheidet sich von der Lüge dadurch, dass eine Lüge immerhin einen Bezug zur Wahrheit hat, die bewusst verdreht oder verdeckt wird. Beim bullshit kommt es hingegen auf die Beachtung an und das Material ist gleichgültig, d. h., es können Halbwahrheiten, Gerüchte oder abgestandene Vorurteile sein, denn was zählt, ist lediglich das Erregungspotenzial des bullshit, denn bullshit will die Empfänger in erster Linie beeindrucken. Bullshitter verwenden gerne eine prätentiöse, pseudo-tiefsinnige und pseudo-wissenschaftliche Sprache, in der es von vagen Begrifflichkeiten, Tautologien und Neologismen nur so wimmelt.

„Im akademischen Milieu sind die wichtigsten Motive fürs Bullshitten oft besonders ausgeprägt: Imponiergehabe und Wichtigtuerei. Das hat der Physiker Alan Sokal 1996 in einem bullshit-Experiment belegt: Er schrieb einen völlig absurd-sinnfreien Text darüber, dass die Schwerkraft auch nur ein „soziales Konstrukt“ sei. Sein Artikel strotzte vor modischem postmodernen Jargon und quantenphysikalischen Begriffen – und gefiel den Herausgebern und Lesern der kulturwissenschaftlichen Fachzeitschrift Social Text. Niemand bemerkte den Quatsch, bis Sokal in seinem Buch Eleganter Unsinn alles offenlegte und eine intensive bullshit-Diskussion anstieß. Nicht besonders nachhaltig: Vor Kurzem hat der Soziologe Peter Dreier eine ähnliche Nummer abgezogen: Er reichte für einen Fachkongress der International Society for Social Studies (mit dem schon sehr bullshit-verdächtigen Titel On the Absence of Absences) die Kurzfassung eines Vortrages ein, der als reiner bullshit angelegt war: pseudo-soziologisches Geschwafel, garniert mit frei erfundenen Heideger(sic!)-Zitaten. Er wurde eingeladen, man freue sich sehr auf seinen spannenden Vortrag“ (Ernst, 2016).

Siehe auch den Dr.-Fox-Effekt: „1970 hielt Myron L. Fox vor versammelten Experten einen Vortrag, der den eindrucksvollen Titel „Die Anwendung der mathematischen Spieltheorie in der Ausbildung von Ärzten“ trug. Und den Teilnehmern des Weiterbildungsprogramms der University of Southern California School of Medicine wurde Fox als „Autorität auf dem Gebiet der Anwendung von Mathematik auf menschliches Verhalten“ vorgestellt. Er beeindruckte die Zuhörer mit seinem gewandten Auftritt derart, dass keiner von ihnen merkte: Der Mann war Schauspieler und hatte keine Ahnung von Spieltheorie. Alles, was Fox getan hatte, war, aus einem Fachartikel über Spieltheorie einen Vortrag zu entwickeln, der ausschließlich aus unklarem Gerede, erfundenen Wörtern und widersprüchlichen Feststellungen bestand, die er mit viel Humor und sinnlosen Verweisen auf andere Arbeiten vortrug.“

Siehe dazu auch Volker Ladenthin: Die Arbeit an der Attrappe.

Quelle
Ernst, H. (2016). Verdunkelungsgefahr. Oder: Was der Bulle hinter sich lässt.
Psychologie heute vom 15. März.




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