opponent-process theory

Die Opponent-Process-Theorie von Solomon & Corbit (1978) besagt ganz allgemein, dass viele emotionale Reaktionen aus einer ersten Reaktion und einer späteren, gegensätzlichen Reaktion  bestehen. Die wiederholte Präsentation desselben Stimulus stärkt den zweiten, sodass die erste Reaktion schwächer und die Nachreaktion stärker und länger wird.

In der Opponent-Process Theory der Motivation postulieren Solomon & Corbit anhand von Alltagsbeobachtungen, etwa der Lustlosigkeit nach dem Geschlechtsverkehr, der Euphorie nach der Angst beim Fallschirmspringen, dass die meisten Emotionen in Gegensatzpaaren funktionieren. Nach dem kurzen, heftigen Gipfel des ursprünglichen Gefühls kippt dieses in das entgegengesetzte Gefühl um, das dann auch noch länger andauert. Die Angst schlägt um in Euphorie, die Lust in Gereiztheit, der Genuss in Verlangen, die fröhliche Überdrehtheit in Weinen. Basis dieser Theorie ist die Annahme, dass bei der Erfahrung einer Emotiion die entgegengesetzte Emotion unterdrückt wird. Verschwindet der Auslöser der ersten Emotion, dann verschwindet auch die Emotion und wird gewissermaßen von der zweiten entgegengesetzten Emotion ersetzt.

Diese Theorie der Emotion zielte ursprünglich darauf ab, eine ganze Reihe emotionaler Reaktionen im Sinne einer Habituation an Stimuli zu erklären, indem sich die Reaktion eines Individuums auf einen Reiz aufgrund wiederholter Präsentation dieses Reizes verändert. Ein wesentliches Element der Opponent-Process-Theorie ist daher die Möglichkeit vorherzusagen, wie sich eine emotionale Reaktion durch die Wiederholung der Präsentation desselben Stimulus verändert, dass also durch die Wiederholung des Reizes die erste emotionale Reaktion einer Habituation unterliegt und immer schwächer wird, während gleichzeitig ein deutlicher Anstieg an Intensität und Dauer der Nachreaktion stattfindet. Solomon & Corbit nahmen also an, dass sich die Intensität der Emotionen durch eine Gegenbewegung verändert, d. h., je öfter diese Prozesse wiederholt werden, die erste Emotion  schwächer, dafür die Antwortemotion jedesmal stärker wird.

Die Drogensucht ist ein klassische Beispiel, denn beim ersten Mal verursacht die Droge ein ungeheures Hochgefühl, dem das Leiden der längeren Entzugsphase nachfolgt. Um dieses Verlangen zu befriedigen, wird die nächste Dosis konsumiert, dich diese bringt weniger Genuss, dafür aber umso bedrückenderes Verlangen. Dies entwickelt sich zu einem Teufelskreis, bis Süchtige die Droge nur noch nehmen, um den Entzug nicht mehr ertragen zu müssen.

Die opponent-process theory ist auch ein Ansatz, um emotionale Zustände an eine Motivation zu binden, allerdings lassen sich nicht alle Emotionen allein aus der Gegenbewegung zur entgegengesetzten Emotion ableiten.

Literatur
Solomon, R.L. & Corbit, J.D. (1974). An Opponent-Process Theory of Motivation: I. Temporal Dynamics of Affect. Psychological Review, 81, 119–145.
Solomon, R.L. & Corbit, J.D. (1978). An Opponent-Process Theory of Motivation. The American Economic Review, 12-24.



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