Polyphasischer Schlaf

Polyphasischer Schlaf bezeichnet ein Schlafmuster, bei dem der Schlafbedarf auf mehrere Schlafphasen – mindestens drei pro Tag – verteilt wird, was bekanntlich im Neugeborenenalter normal ist. Im Gegensatz dazu wird die Schlafverteilung auf einen Nacht- und einen Mittagsschlaf als biphasischer Schlaf bezeichnet und monophasischer Schlaf heißt die Form mit nur einem Schlaf am Tag.
Manchmal bezeichnet der Begriff auch einen künstlich umgestellten Schlafrhythmus bei Erwachsenen, wodurch ein Auskommen mit verhältnismäßig wenig Schlaf möglich sein soll – bis zu insgesamt vier Stunden pro Tag, wobei als Beispiele häufig Thomas Alva Edison und Leonardo da Vinci angeführt werden.
Eine wissenschaftliche Etablierung des Begriffes in dieser Bedeutung existiert nicht, auch zu den Nebenwirkungen existieren keine wissenschaftlichen Untersuchungen. Bekanntes Systeme sind das Everyman-System, bei dem man bis zu 5 Stunden nachts schläft und zusätzlich noch 2-6 mal während des Tages, und das Uberman-System, bei dem man alle 4 Stunden 20 Minuten lang schläft. Alle Systeme erfordern eine Eingewöhnungsphase, die bis zu einem Monat dauern kann, indem man seinen Körper trainiert, dass er auch während einer so kurzen Schlafzeit in die REM-Phase gelangt.

Generell hat der Entzug von Schlaf verheerende Folgen, meist allerdings nicht für die körperliche, sondern für die psychische Gesundheit. Bei einer Umstellung stellt die erste Nacht meist kein Problem dar, es herrscht oft eine euphorische Stimmung, in der zweiten Nacht schlafen die Versuchspersonen oft ein, am dritten Tag verfliegt die Euphorie und die Teilnehmer an solchen Experimenten reagieren ungehalten. In der vierten Nacht müssen sie mit verschiedenen Aktivitäten wach gehalten werden, wobei sich Mikro-Schlafperioden (man hält in der Tätigkeit inne und starrt sekundenlang ins Leere) häufen sich und traumähnliche Halluzinationen greifen in den Wachzustand über. In längeren Experimenten kommt es zu Wahnideen wie Verfolgungswahn. Die physischen Folge sind brennende Augen, schwere Lider, Gliederschmerzen, Zittern und Gefühlsstörungen in Armen und Beinen. Tiere, die man zu experimentellen Zwecken auf rotierenden Scheiben hielt und so am Einschlafen hinderte, starben nach zwei bis drei Wochen, verloren trotz erhöhter Nahrungsaufnahme an Gewicht, die Körpertemperatur sank, wobei auch Menschen, die müde sind, meist frieren.

Entzug von Schlaf bei Depressionen

Zwar sind ein gestörtes Schlafverhalten und Probleme mit Ein- und Durchschlafen typische Beschwerdemuster einer depressiven Störung, doch setzt man als eine nicht-medikamentöse Therapiemöglichkeit den gezielten Schlafentzug (Wachtherapie) bei die Behandlung von Depressionen ein. Durch die Veränderung im Schlaf-Wach-Rhythmus werden im Gehirn Veränderungen der Neurotransmitter ausgelöst, die sich zumindest kurzfristig positiv auf  Stimmung und Aktivität auswirken. Dabei wird entweder ein totaler Schlafentzug für eine ganze Nacht oder ein partieller Schlafentzug in der zweiten Nachthälfte durchgeführt. Am nächsten Tag müssen die KlientInnen ihre normalen Aktivitäten ausüben und erst am Abend wie üblich zu Bett gehen.

Siehe dazu Der Schlaf

Quellen
http://de.wikipedia.org/wiki/Polyphasischer_Schlaf (10-09-07)
http://www.faz.net/s/Rub268AB64801534CF288DF93BB89F2D797/ Doc~E94D5C8C1D4954F39858200545E3BB388~ATpl~Ecommon~Scontent.html (10-12-31)





Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2017