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Sense of Agency

Die Begriffe Sense of Agency oder Sense of Control beziehen sich darauf, wie Menschen für ihr Handeln einstehen oder die Verantwortung dafür delegieren. Sense of Agency bezeichnet also das Gefühl, der Urheber der eigenen Aktionen zu sein und hängt eng mit der Wahrnehmung des Ich bzw. Selbst zusammen. Neuere Studien versuchen nun zu verstehen, wie dieser Sense of Agency zu Stande kommt und wo er im Gehirn verankert ist, wobei bisher keine einzelne Gehirnregion gefunden wurde, die für dieses Gefühl zuständig ist. Man vermutet vielmehr, dass es ein komplexes Agency-Netzwerk gibt, an dem unterschiedliche Gehirnregionen beteiligt sind, was im übrigen bestätigt, dass für ganz basale Funktionen des menschlichen Gehirns immer komplette Netzwerke aktiviert werden.

Sense of Agency hat offensichtlich auch viel damit zu tun, wie Menschen die Welt wahrnehmen, wobei die Wahrnehmung eine aktive Angelegenheit darstellt, d. h., Menschen bewegen sich in der Welt, um diese zu erfahren. Dabei ist etwa die Unterscheidung zwischen der eigenen Bewegung und der Bewegung der Außenwelt eine ganz basale Fähigkeit, die man benötigt, um die Welt überhaupt stabil wahrnehmen zu können, d. h., es ist eine ständige Aufgabe des Gehirns, die eigenen Bewegungen und die Änderungen der Wahrnehmung gegeneinander zu verrechnen. Bekanntlich erscheint die Umwelt für die Menschen auch dann stabil, wenn sie sich in ihr bewegen, was daran liegt, dass das Gehirn einen ständigen Abgleich der Sinne vornimmt, indem visuelle Reize mit dem Gleichgewichtssinn, der relativen Stellung von Kopf zu Körper oder der Rückmeldung von ausgeführten Bewegungen in Einklang gebracht werden. Verantwortlich ist dafür ein Areal im posterioren insularen Cortex, das offenbar für die Koordination verantwortlich ist.

Wie schon frühere Studien zeigten, sind ereignisbedingte Potenziale stärker ausgeprägt, wenn ein Proband aus freiem Willen handelt, sodass nun (Caspar, Christensen, Cleeremans & Haggard, 2016) experimentell bestätigt wurde, dass Zwang diesen Ausschlag des ereignisbedingten Potenzials reduziert. Handlungen unter Befehl werden daher von den Menschen so erlebt, als wenn sie passiv wären, denn das Gehirn scheint durch Zwang in eine Art passiven Modus umzuschalten und teilweise das spontane Verantwortungsgefühl zu verändern. Zwang reduziert offenbar basal jene Prozesse im Gehirn, die normalerweise die Wahrnehmung des eigenen Handelns und die daraus folgenden Konsequenzen miteinander verknüpfen. Keinesfalls können diese Forschungsergebnisse als Legitimation dafür gelten, etwa in Bezug auf eine kriminelle Handlung nur Befehle ausgeführt zu haben, denn obwohl sich Täter subjektiv als weniger verantwortlich empfinden, müssen vernunftbegabte Menschen wissen, dass sie für die Folgen ihres Tuns verantwortlich sind, unabhängig davon, ob sie das so empfinden oder nicht.

Um die dem Sense of Agency zu Grunde liegenden Mechanismen zu verstehen, muss man allerdings auch den zeitlichen Aspekt berücksichtigen, also wie etwa Kontinuität für das Individuum entsteht.

Literatur

Caspar, E. A., Christensen, J. F., Cleeremans, A. & Haggard, P. (2016). Coercion Changes the Sense of Agency in the Human Brain. Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2015.12.067.
Stangl, W. (2011). Die Milgram-Experimente. [stangl] test & experiment.
WWW: http://testexperiment.stangl-taller.at/experimentbspmilgram.html (11-10-21)



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