Integrale Psychologie

Die Integrale Psychologie Ken Wilbers versucht mit Bezug auf unzählige Quellen aus Ost und West, Vorzeit und Moderne, ein psychologisches Modell zu entwerfen, das Wellen und Ströme der Entwicklung, Bewusstseinszustände und Zustände des Selbst umfasst. Den Wegen all dieser Zustände folgt er vom Unterbewusstsein über das Selbstbewusstsein bis hin zum Überbewusstsein. Mit seiner Integralen Psychologie verfolgt Ken Wilber vor allem ein Ziel: Jeden berechtigten Aspekt menschlichen Bewusstseins zu erfassen und anzuerkennen. Will die Psychologie die menschliche Psyche in ihrer Totalität begreifen, dann muss sie nach Meinung Wilbers über den Alleingültigkeitsstreit divergierender Schulrichtungen hinauswachsen und ein integrales Modell entwickeln, das alle ernstzunehmenden Theorien und Therapien der menschlichen Psyche einordnet und aufzeigt, welchen einzigartigen und unverzichtbaren Beitrag jede einzelne zu einem ganzheitlichen Verständnis des Bewusstseins und des menschlichen Lebens liefern kann. Dieser durch und durch eklektische Zugang leitet sich von einem von Gustav Fechner (Leben nach dem Tod, 1835) in der Frühzeit der Psychologie versuchten Ansatz ab. „Der Mensch lebt auf der Erde nicht einmal, sondern dreimal. Seine erste Lebensstufe ist ein steter Schlaf, die zweite eine Abwechslung zwischen Schlaf und Wachen, die dritte ein ewiges Wachen. (…) Auf der ersten Stufe lebt der Mensch einsam im Dunkel; auf der zweiten lebt er gesellig, aber gesondert neben und zwischen anderen in einem Lichte, das ihm die Oberfläche abspiegelt, auf der dritten verflicht sich sein Leben mit dem von anderen Geistern zu einem höheren Leben in dem höchsten Geiste, und schaut er in das Wesen der endlichen Dinge. Auf der ersten Stufe entwickelt sich der Körper aus dem Keime und schafft sich seine Werkzeuge für die zweite; auf der zweiten entwickelt sich der Geist aus dem Keime und erschafft sich seine Werkzeuge für die dritte, auf der dritten entwickelt sich der göttliche Keim, der in jedes Menschen Geiste liegt. Der Übergang von der ersten zur zweiten Lebensstufe heißt Geburt; der Übergang von der zweiten zur dritten heißt Tod. Der Weg, auf dem wir von der zweiten zur dritten Stufe übergehen, ist nicht finsterer als der, auf dem wir von der ersten zur zweiten gelangen. Der eine führt zum äußeren, der andere zum inneren Schauen der Welt“ (Fechner, 1835, zit. nach Wilber, 2001, S. 6f).

Wilber definiert Psychologie wie folgt: „Psychologie ist das Studium des menschlichen Bewußtseins und seiner Manifestationen im Verhalten. Zu den Funktionen des Bewußtseins gehören Wahrnehmen, Begehren, Wollen und Handeln. Zu den Strukturen des Bewußtseins, von denen einige Facetten unbewußt sein können, gehören Körper, Geist, Seele und GEIST. Die Zustände des Bewußtseins sind das „normale“ Bewußtsein (z.B. Wachen, Träumen, Schlafen) und verändertes Bewußtsein (z.B. das Nicht-Gewöhnliche und das Bewußtsein im Zustand der Meditation). Zu den Modi des Bewußtseins gehören das ästhetische, das moralische und das wissenschaftliche Bewußtsein. Die Entwicklung des Bewußtseins umfaßt ein ganzes Spektrum, vom Vorpersönlichen über das Persönliche zum Transpersonalen, vom Unterbewußten über das Selbst-Bewußte zum Überbewußten, vom Es über das Ego (Ich) zum GEIST. Die Beziehungs- und Verhaltensaspekte des Bewußtseins beziehen sich auf seine Wechselwirkung mit der objektiven, äußeren Welt und der soziokulturellen Welt gemeinsamer Werte und Wahrnehmungen“ (Wilber, 2001, S. 9).

Literatur
Wilber, Ken (2001). Integrale Psychologie: Geist, Bewußtsein, Psychologie, Therapie. Arbor-Verlag.




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