Evolutionspädagogik

Die Evolutionspädagogik – von den Protagonisten auch Praktische Pädagogik genannt – ist eine ziemlich esoterisch angehauchte Version einer Lebensberatung, die von Ludwig Koneberg, einem Lernberater nach eignen Aussagen als Gegenpol zur traditionellen Pädagogik entwickelt wurde, die seiner Meinung nach nicht genügend Lösungswege bei Lern- und Verhaltensproblemen sowie der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen bietet. Er entwickelte daher den Ansatz der Evolutionspädagogik, mit der man nach eigenen Aussagen in nur zwei bis vier Sitzungen spontan und situationsbezogen reagieren und agieren lernen kann. Die Evolutionspädagogik wird seit 1990 am Institut für Praktische Pädagogik in München  gelehrt und soll eine moderne Form von Problemlösungsstrategien bieten, indem sie wie so viele dieser „Lehren“ neuste Erkenntnisse aus der Gehirnforschung mit Wissen über die Evolution und pädagogischer Kinesiologie verbindet.

Die Evolutionspädagogik beruht dabei auf sieben Stufen der Evolution, die besagt, dass in der kindlichen Entwicklung die gesamte Evolution im Zeitraffer noch einmal abläuft (siehe dazu das umstrittene biogenetischen Grundgesetz von Ernst Häckel, nach dem in der Ontogenese Merkmale der Phylogenese  sichtbar werden). Das Lernen des Kindes ist somit ein langsames Aufrichten, die von sieben Sicherheiten, die sieben Stufen der Evolution entsprechen, geprägt sind (s. u.). Auf jeder dieser Evolutionsstufen werden bestimmte Fähigkeiten ausgebildet, die den Grund für die weitere Entwicklung legen, wobei beim Fehlen einer dieser Stufen die Sicherheit fehlt und das Kind möglicherweise auffällige Verhaltensformen entwickelt, etwa Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsschwierigkeiten, Lernschwierigkeiten, Lernprobleme und Ängste. Jeder Mensch durchläuft somit von der Zeugung über die Schwangerschaft und Geburt bis zum dritten/vierten Lebensjahr eine von der Evolution festgelegte Abfolge von biologischen und motorischen Entwicklungsschritten, , wobei sich jeder Schritt auch im Gehirnaufbau über die Vernetzung von Nervenzellen widerspiegelt, sodass aus jedem Kind ein unverwechselbares Individuum entsteht.  Die Evolutionspädagogik arbeitet dabei nicht an den Symptomen, sondern geht an die Ursachen, die nach Ansicht der Vertreter stressbesetzte oder unzureichende neuronale Verschaltungen im Gehirn sind. Nicht zuletzt beruft man sich auf das Modell von Charles Darwin, nach dem sich Bewegungsmuster und Reflexe vom Fisch über Amphibie, Reptil zu Säugetier, Affe, Urmensch bis hin zum heutigen modernen Menschen entwickeln, wobei jede Stufe für eine bestimmte Entwicklungskompetenz steht:

  • Fisch — Urvertrauen — Vertrauenskompetenz
  • Amphibie — Erlebnissicherheit — Innovationskompetenz
  • Reptil — Körpersicherheit — Powerkompetenz
  • Säugetier — Gefühlssicherheit — Emotionskompetenz
  • Affe — Gruppensicherheit — Teamkompetenz
  • Urmensch — Sprachsicherheit — Motivationskompetenz
  • Mensch — Kommunikations- und  Kooperationssicherheit — Universalkompetenz

Literatur & Quellen

Lüders, M. (2004). Können Lehr-Lern-Prozesse im Unterricht evolutionstheoretisch erklärt werden? In Baumert, Gogolin, Krüger & Lenzen (Hrsg.), Zeitschrift für Erziehungswissenschaften (S.235-247). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
http://www.institut-pp.com/ (15-03-21)
http://www.evolutions-paedagogik.ch/ (15-03-21)
http://www.evo-bildungszentrum.de/ (15-03-21)




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