strukturelles Interview

Otto F. Kernberg entwickelte das strukturelle Interview als eine gute Möglichkeit, ein Erstgespräch in einer therapeutischen Beziehung zu führen, und steht für einen spezifischen Ansatz, in dem Psychopathologie, Psychodynamik und die Struktur der Persönlichkeit (ICH-Struktur) in einem breiten Spektrum bei guter Kenntnis der Differentialdiagnostik erfasst werden können. Das strukturelle Interview fokussiert nach einer mehrteiligen Eingangsfrage: „Es interessiert mich zu wissen, warum Sie hier sind, wie Ihre Schwierigkeiten oder Probleme aussehen, was Sie von einer (möglichen) Behandlung erwarten und wo Sie in dieser Hinsicht jetzt stehen“ (Kernberg, 1985, S. 53) auf die Beschreibung der Symptome durch den Klienten, wobei in dieser Phase besonderes Augenmerk auf den Inhalt der Erzählung des Klienten liegt, sowie auf der Art und Weise der Erzählung in der Hier-und-Jetzt-Interaktion mit dem Therapeuten. Diese Eingangsfrage ermöglicht es dem Klienten, über seine Symptome zu sprechen, gleichzeitige erlaubt es dem Therapeuten indirekt zu beurteilen, wie viel dem Klienten über seine Krankheit und deren mögliche Behandlung bewusst ist, sodass sich ein erster Einblick in den Bereich der Realitätsprüfung ergibt, wie realistisch bzw. unrealistisch die Erwartungen des Klienten sind. Ein zentraler Fokus dieser Methode liegt dabei auf der Untersuchung der Persönlichkeit nicht nur für die Planung der Therapie bzw. einer Psychoanalyse, sondern in der Beurteilung des Schweregrades einer möglichen ICH-strukturellen Störung, des Vorhandenseins oder des Fehlens einer Borderline Persönlichkeitsorganisation mit dem Symptom einer Identitätsdiffusion.

Literatur
Fercher, J. (2011). Das strukturelle Interview in Psychoanalyse und tiefenpsychologischer Psychotherapie nach Otto F. Kernberg. SAP Zeitung, Februar.
Kernberg, Otto F. (1985). Schwere Persönlichkeitsstörungen. Theorie, Diagnose, Behandlungsstrategien. Stuttgart: Klett-Cotta.



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