Gaslighting

Gaslighting ist eine Form von Manipulationstechnik, eines emotionalen Psychoterrors bzw. systematischen Missbrauchs, bei dem der Missbraucher dem Opfer falsche Informationen gibt und darauf abzielt, dass das Opfer seine eigene Wahrnehmung misstraut, seinen eigenen Verstand und schließlich seine psychische Gesundheit in Frage stellt. Die Absicht dieser Aktionen ist die Betroffenen zu verwirren, sie einzuschüchtern und zutiefst zu verunsichern. Der Täter oder die Täterin arrangiert dabei etwa die Umwelt des Opfers so, dass dieses an seiner Wahrnehmung der Realität zu zweifeln beginnt, allmählich unsicher wird, immer mehr in eine Verteidigungshaltung gerät. Auf persönlicher Ebene werden betroffene Menschen isoliert, denn sie glauben allmählich, was der Täter oder die Täterin behauptet. Irgendwann versucht dies Betroffene, das eigenes Leben zu ändern, sich den vermeintlichen Wahrheiten anzupassen.
Diese Form des subtilen Psychoterrors steht oft in Verbindung mit Mobbing oder Bossing, kann aber auch in Paarbeziehungen, Familien- oder Nachbarschaftsstreitigkeiten vorkommen und wird oft von Menschen mit einer narzisstischer Persönlichkeitsstörung eingesetzt. Aus der psychoanalytischen Perspektive handelt es sich um ein Wechselspiel von Projektion bzw. Introjektion eines psychischen Konflikts des Täters auf sein Opfer.

Für die Betroffenen ist es das Wichtigste, das Prinzip von Gaslighting zu erkennen und sich darüber bewusst zu sein, denn jeder Mensch kann Opfer eines solchen Psychoterrors werden, wobei Gaslighting in der Regel eine schleichende Entwicklung nimmt. Betroffene sollten daher stets auf Lügen achten, auf erfundene Feinde, denn je mehr man darauf achtet, desto besser kann man sich dagegen wehren. Ziel des Täters ist es, das Opfer gezielt zu desorientieren, indem er Halbwahrheiten verbreitet, Feindbilder schafft und sich häufig selbst zum Helfer oder gar rettenden Helden stilisiert. Das kann auch und besonders in Paarbeziehungen passieren, wenn einer dem anderen abspricht, die Realität richtig einschätzen zu können, sodass das Opfer dabei denkt, wahnsinnig geworden zu sein. Ziel ist immer die Verunsicherung des Partners, um diesen in eine totale Abhängigkeit zu treiben.

Eine spezielle Form des Gaslighting ist dabei das Eindringen eines Unbekannten in die Wohnung eines Opfers in dessen Abwesenheit, um Gegenstände zu manipulieren, die Wohnungseinrichtung zu verändern, die Arbeit der Betroffenen zu sabotieren oder deren Computer zu manipulieren. Die Absicht solcher Aktionen ist die Betroffenen zu verwirren, sie einzuschüchtern und zu verunsichern, was vor allem zu Beginn solcher Aktionen gelingt. Dadurch werden die Betroffenen quasi entwurzelt, denn die Wohnung oder das Haus eines Menschen stellt in gewissem Maß seine Höhle dar, in der er Schutz und Zuflucht findet. Diese eigenen Räume bieten Intimsphäre, wonach Menschen ebenso wie Tiere ein tiefes Bedürfnis haben. Dringen nun Fremde regelmäßig in die eigenen Räume ein und hinterlassen Spuren, so stellt das einen groben Verlust jeglichen Gefühls von Geborgenheit dar, d. h., der Betroffene fühlt sich nicht mehr zuhause, fühlt sich fremd und bedrängt in seiner eigenen Wohnung, die fremd und unheimlich wird. Oft werden persönlich bedeutsame Dinge entwendet oder zerstört, meist solche, die einen persönlichen Wert für die Betroffenen haben. Manche Betroffene berichten von zerkratzten Möbeln oder zerschnittenen Kleidern. Die Betroffenen glauben sich dabei allmählich vom Wahnsinn bedroht und vermuten in diesen Schikanen ihre eigene Einbildung. Sie glauben vergessen zu haben dass Einrichtungsgegenstände beim letzten Mal noch anders standen, dass Dokumente oder andere Dinge durch ihre eigene Schuld verloren gingen oder dass sie von ihrer eigenen Erinnerung getäuscht werden. Diese Form des Gaslighting findet sich vor allem auch beim Stalking.

Der Begriff „gaslighting“ leitet seinen Namen vom Theaterstück bzw. Film “Gas Light” mit Ingrid Bergmann ab. In diesem Stück versucht ein Mann seine Frau durch Manipulieren von Gegenständen in ihrer Umgebung in den Wahnsinn zu treiben. Der Film erhielt seinen Titel aufgrund jener Szene, in der der Ehemann die Gaslampen im Raum unbemerkt ein wenig dimmt und seiner Frau einzureden versucht, das Licht im Raum habe sich nicht geändert, und es sei bloß ihre Einbildung, die ihr einen Streich spiele.

Literatur
Dorpat, T.L. (1994). On the double whammy and gaslighting. Psychoanalysis & Psychotherapy, 11, 91–96.
Gass, G.Z. & Nichols, W.C. (1988). Gaslighting: A Marital Syndrome. Journal of Contemporary Family Therapy, 10, 3–16.
https://en.wikipedia.org/wiki/Gaslighting (09-11-21)
http://www.e-waffen.de/gaslighting.html (12-11-17)




Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2017