Nostalgie

Nostalgie bezeichnet die sehnsuchtsvolle Hinwendung zu vergangenen Gegenständen oder Praktiken, wobei sich die Nostalgie sowohl auf das eigene Leben als auch auf nicht selbst erlebte Zeiten – kollektive Nostalgie – beziehen kann. Das Wort Nostalgie leitet sich übrigens aus dem griechischen nostos (Rückkehr) und algos (Schmerz) ab, also dem Heimweh.

Nostalgie ist häufig eine Mischung aus Freude und Trauer, wobei es paradoxerweise vor allem positive Erinnerungen sind, die Menschen in traurige Stimmung versetzen können. Nostalgie zu empfinden ist eine emotionale Eigenart des Menschen, die manchmal früher sogar als pathologisch abgewertet wurde. Auch wurde Nostalgie als Krankheit, die mit Traurigkeit, unregelmäßigem Herzschlag und Appetitlosigkeit einhergeht, als psychische Störung angesehen, die von Angst und Schlaflosigkeit begleitet wird. Psychodynamischer Ansätze interpretierten Nostalgie als unterdrückte Zwangserkrankung, einem unbewussten Bedürfnis nach Rückkehr zu einem früheren Lebensabschnitt oder auch als eine Form der Depression.

Nostalgie entsteht häufig jedoch erst in Reaktion auf Niedergeschlagenheit oder Einsamkeit, wobei sie als psychischer Lösungsansatz beides zu vermindern sucht, indem sie ein früheres positives Selbstbild und soziale Verbundenheit vermittelt, denn in einer nostalgischen Rückschau überwiegen meist die positiven die negativen Emotionen. Ausschlaggebend für nostalgische Gefühle ist auch das Erleben der eigenen Identität bzw. Kontinuität, denn im Augenblick der Nostalgie fühlen wir eine enge Verbindung zu dem Menschen, der wir einmal waren, sodass Nostalgie unter Umständen auch den Umgang mit neuen Herausforderungen erleichtern kann. Erst wenn das Gefühl überwiegt, dass man im Augenblick viel weniger Möglichkeiten hat als früher, dann wird die Nostalgie zu einer schmerzlichen Erinnerung an das unwiederbringlich Verlorene.

Literatur
Iyer, A., & Jetten, J. (2011). What’s left behind: Identity continuity moderates the effect of nostalgia on well-being and life choices. Journal of Personality and Social Psychology, 101, 94-108.




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