Entwicklungsdruck

Das Jugendalter gilt als besonders intensive Phase der Verarbeitung der inneren und äußeren Realität, wobei manchmal die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters nicht gelöst werden können und daraus Entwicklungsdruck entsteht. In der Jugendphase geht es bekanntlich um die soziokulturelle Anpassung und Qualifizierung, die von der Gemeinschaft mit mehr oder minder massivem Nachdruck gefordert wird, wobei eine produktive Auseinandersetzung mit den Werten und Zielen erwartet wird. Aber auch schon Kinder stehen unter einem wachsenden Entwicklungsdruck, die mit der Bewälrigung der Schule oft mehr als 40 Wochenstunden eingespannt sind, nach Ansicht von Entwicklungspsychologen ist das zu viel, denn Kinder brauchen in erster Linie Zeit für ihre Entwicklung. Die Anforderung, ihr Leben in Familie, Schule und Freizeit zu bewältigen, erscheint immer mehr Kindern und Jugendlichen als zu hoch, da ja gleichzeitig von ihnen eine höchst individuelle Gestaltung ihres eigenen Lebens erwartet wird. Dieser hohe Entwicklungsdruck wird von einem Drittel der Jugendlichen durch problematische Formen der Auseinandersetzung mit den Anforderungen aufgefangen, wobei es sich oft um unproduktive Formen der Bewältigung der Lebensanforderungen handelt. Vor allem Mädchen richten den Druck nach innen und zeigen stärkere Symptome von psychosomatischen und soziosomatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen. Männliche Jugendliche hingegen reagieren eher extrovertiert bis hin zu abweichendem Verhalten und Kriminalität, d. h., sie richten den inneren Druck an ihre Umwelt. Beide Geschlechter greifen zunehmend auch zum Konsum von psychoaktiven Substanzen, vor allem zu Mitteln mit leistungssteigernder und teilweise auch beruhigender Wirkung, oft in Folge von Aufmerksamkeits- und Leistungsstörungen, aber es erfolgt auch ein immer früheren Einstieg in den Konsum von Zigaretten und Alkohol und von psychoaktiven Substanzen.

Literatur
Hurrelmann, K. (2003). Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Weinheim: Juventa.
Hurrelmann, K. & Bründel, H. (2003). Einführung in die Kindheitsforschung. Weinheim: Beltz.
Hurrelmann, K., Klocke, A., Melzer, W. & Ravens-Sieberer, U. (Hrsg.) (2003). Jugendgesundheitssurvey. Weinheim: Juventa





Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2017