Chamaleon Effekt

Der Chamäleon Effekt beschreibt die unbewusste Nachahmung der Gesten, Haltungen und Stimmungslage, besagt also, dass Menschen vor allem in Gesprächs­situationen ihre Körpersprache tendenziell an die des Gegenübers anpassen. Der auch als Spiegeltechnik bekannte Chamäleon-Effekt lässt sich oft im Alltag beobachtet, etwa bei verliebten Paaren im Restaurant, bei befreundeten Kollegen in der Kantine, bei neuen Bekanntschaften auf einer Messe. Besonders Mikrogesten wie Lächeln, Gähnen, Nasekratzen, einen Schluck trinken wirken ansteckend, wie etwa Chartrand & Bargh (1999, 2002) nachweisen, bei dem Probanden, die sich zum ersten Mal begegneten, Berührungen im Gesicht bereits zu 20 Prozent nachahmten, das Übereinanderschlagen von Beinen zu 50 Prozent. Das alte allerdings in der Regel nur dann, wenn sich zwei Menschen mögen und verstehen. Vermutlich steckt dahinter das menschliche Bedürfnis nach Harmonie und Symmetrie, was sich bei Menschen zeigt, die sich ausgegrenzt fühlen, die ihre Gruppenmitglieder umso stärker imitieren. Das Verhaltensmimikry hat evolutionär wohl eine eine wichtige zwischenmenschliche Aufgabe, indem es als eine Art sozialer Klebstoff wirkt.

Grundlage dafür ist vermutlich der Common Code approach, ein Modell der Kognitions- und Neurowissenschaft, in dem davon ausgegangen wird, dass sich Wahrnehmung, Ausführung und Vorstellung von Bewegung eine gemeinsame Domäne im Gehirn teilen. Wenn man etwas wahrnimmt, etwa eine Bewegung, wird das motorisches Zentrum implizit aktiviert, was wieder die eigenen Bewegungspräferenzen beeinflusst. Die grundlegende Idee ist, dass die sowohl eigene Bewegung als auch die Wahrnehmung von Bewegung auf dasselbe Gehirnareal zugreifen, es aktivieren und so eine Imitation vorbereiten. Die oft salopp als Spiegelneuronen bezeichneten Gehirnbereiche zeigen während der passiven Betrachtung einer Bewegung sehr ähnliche Muster, wie sie entstehen, wenn diese Bewegung aktiv ausgeführt wird.  Auch die Wahrnehmung einer motorischen Einschränkung bei einem anderen Menschen hemmt das eigene Reaktionsvermögen bzw. es wird die eigene Motorik verlangsamt.

Literatur

Chartrand. T. L.. & Bargh, J. A. (1999). The chameleon effect: The perception behavior link and social interaction. Journal of Personality and Social Psychology.
76. 893-910.
Chartrand, T. L, & Bargh, J. A. (2002). Nonconscious motivations: Their activation, operation and consequences. In A. Tesser, D. A. Stapel, & J. V. Wood (Eds.}, Self and motivation: Emerging psychological perspectives (pp, 13-41). Washington. DC: American Psychological Association.
Stangl, W. (2008). Multidimensionalität von Kommunikationen. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/KommNonverbale2.shtml (08-11-14)
http://www.welt.de/wissenschaft/psychologie/article2463217/Der-Mensch-verhaelt-sich-wie-ein-Chamaeleon.html (08-09-18)




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