Proust-Effekt

Der Proust-Effekt – auch Madeleine-Effekt , beschreibt jenes Phänomen des menschlichen Geruchs und Geschmackssinns, der Erinnerungen aus der Vergangenheit mit nur einem einzigen Duft wachgerufen und so lebendig erscheinen lassen kann, als wäre es erst gestern gewesen. In seinem Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ schildert Marcel Proust, wie der Protagonist Swann von Erinnerungen übermannt wird, als er frische Madeleines (muschelförmiges Kleingebäck mit dem Geschmack von Rum und Zitrone) mit Tee riecht. Der Schriftsteller widmete diesem Gebäck in seinem Werk gleich mehrere Seiten, aber auch Friedrich Schiller stellte sich immer einen Apfel auf sein Schreibpult, den er langsam verfaulen ließ, weil er nur schreiben konnte, wenn es nach einem langsam vertrocknenden Apfel roch. Gerüche wurden schon immer als Quelle der Inspiration genutzt, wofür auch die Bedeutung des Wortes im Sinne vom Einatmen einer Situation spricht, denn Gerüche zielen direkt auf das Gehirn, auf das limbische System, wobei in dieser Schaltzentrale des Gehirns Dufstoffe Instinkte wie Hunger oder Müdigkeit genauso beeinflussen können wie das Sexualverhalten oder die Sympathie, und zwar noch bevor man einen Duft überhaupt bewusst wahrnimmt. Daher ist der Geruchssinn auch der unmittelbarste der menschlichen Sinne.

Beim Menschen beginnt die Welterschließung mit dem Oralen, d. h., „wie schmeckt die Welt“, wobei der Geschmack von Geburt an geprägt und mit Emotionen und Erinnerungen aufgeladen wird. Die Geschmacksinneszellen, die in der Geschmacksknospe auf der Zunge liegen, fungieren dabei als Wächter und leiten je nach Intensität des Erlebnisses die Geschmackserinnerung an das Gehirn weiter. Bedeutsam dafür ist aber immer auch der Geruchssinn, denn er ist wesentlich für die Wahrnehmung eines Geschmackes auf der Zunge. Was der Mensch als bleibende Erinnerung speichert, ist demnach ein komplexes, individuelles Muster, das sogar das Gefühl eines Lebensmittels auf der Zunge miteinbezieht.
Jeder Mensch ist auch durch bestimmte Gerüche geprägt, manche sind sehr persönlich, wie der Duft des Elternhauses oder der Schule, andere sind in einer ganzen Kultur mit derselben Vorstellung verknüpft, wie etwa der Duft von Zitronen mit Sauberkeit. Jedes Lebewesen sondert einen Duft ab, wobei es sich um winzige Moleküle handelt, die durch das Einatmen ihren Weg über die Nasenhöhle bis zur Riechschleimhaut finden. Auf dieser befinden sich Millionen von Zellen, die die Duftmoleküle an den Rezeptoren auflösen und registrieren. Erkennt ein solcher Rezeptor ein Duftmolekül, wird ein Reiz ausgelöst und an den Riechkolben, dem Übergang zum Gehirn, weitergeleitet, wo er verarbeitet wird und bestimmte Reaktionen auslöst. So wird etwa bei einem angenehmen Geruch der Speichelfluss ausgelöst. So senden auch menschliche Ausdünstungen, die der Körper über den Schweiß ausscheidet, als Pheromone oder Soziohormone unsichtbare Botschaften, wobei diese chemischen Chiffres in erster Linie anziehen und verführen, aber auch warnen oder abschrecken sollen, wobei manche direkt auf Körperfunktionen wirken.

Siehe dazu ausführlich das Arbeitsblatt zur olfaktorischen Kommunikation.





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