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Conceptual Change Theorie

    Die Conceptual Change Theorie als dem Konstruktivismus nahestehender Ansatz zum Verständnis der Lehrerrolle im Unterricht geht davon aus, dass der Lehrer die Erweiterung von Erfahrung und Wissen durch den Lernenden ermöglicht. Diese Theorie stellt in den Mittelpunkt, dass Lernende zu Beginn der unterrichtlichen Auseinandersetzung mit einem Gegenstand immer schon Präkonzepte davon haben, also Alltagsvorstellungen, Vorerfahrungen und spezielle Erklärungen und Vorstellungen, wobei deren Herkunft im Einzelfall nicht zu klären ist, denn sie sind durch das Mitleben in einer Gesellschaft ebenso entstanden wie durch vorangegangenen Unterricht. So verfügen Schülerinnen und Schüler der Grundschule etwa im Bereich der Naturwissenschaften bereits über teilweise tief in Alltagserfahrungen verankerte Vorstellungen von Phänomenen und Begriffen, mit denen sie in den Unterricht hineinkommen. Manchmal stimmen diese Vorstellungen mit den zu lernenden naturwissenschaftlichen Inhalten nicht immer über ein. Daher sind Lernprozesse oft als tiefgreifender Konzeptwechsel anzulegen.

    So verstandener Unterricht zielt daher auf die Ergänzung bzw. auch Veränderung dieser bei SchülerInnen vorhandenen Vorstellungen ab. Die Berücksichtigung individueller Ausgangssituationen ist daher von großer Bedeutung, wobei diese bestehenden Konzepte durch die Konfrontation mit dem Neuen im Unterrichtsprozess neu strukturiert werden sollen. Wesentliche Aufgabe des Lehrers ist es daher, Fragen zu provozieren, durchaus auch solche, die der Schüler nur unter Anleitung entwickeln kann. Durch diese Hypothesenbildung bzw. didaktische Rekonstruktion entsteht neues Wissen. Ziel der Conceptual Change Theorie besteht in der Veränderung des Wissens aus der Sicht des Lernenden, wobei die mitgebrachten Kenntnisse, die der Lehrer kennen bzw. erheben muss, eine didaktisch zu nutzende Brücke etwa für den Unterrichtseinstieg darstellen.

    Damit Lernende bereit sind, sich diesem Prozess der Veränderung zu unterziehen, die neuen Konzepte auch zu akzeptieren, diese auch anzuwenden und in ihr Wissen zu integrieren, gibt es einige wesentliche Rahmenbedingungen: Unzufriedenheit, d.h. die Lernenden müssen zuerst erkennen, dass ihre Denkweise ein vorhandenes Problem nicht löst. Verständlichkeit, d. h., das neue Konzept sollte nicht  nur einen Sinn ergeben, sondern sollte die Lernenden in die Lage versetzen, das auch anderen erklären zu können. Plausibilität, d.h., die Lernenden sollten in der Lage sein, selbst zu entscheiden, wie sich dieses neue Konzept in ihr Denkweise einfügt, und sich an Probleme zu erinnern, bei denen dieses Konzept angewendet werden könnte. Schließlich Nutzen, d.h., das neue Konzept sollte mehr als nur das eine exemplarisch vorliegende Problem lösen sondern neue Untersuchungsfelder eröffnen (Posner et al., 1982).

    Literatur

    Jonen, A., Möller, K. & Hardy, I. (2003). Lernen als Veränderung von Konzepten – am Beispiel einer Untersuchung zum naturwissenschaftlichen Lernen in der Grundschule. In D. Cech & H.-J. Schwier (Hrsg.), Lernwege und Aneignungsformen im Sachunterricht (S. 93-108). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
    Posner, G. J., Strike, K. A., Hewson, P. W. & Gertzog, W. A. (1982). Accommodation of a scientific conception: Toward a theory of conceptual change. Science Education, 66, 211-227.


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