Selbsttheorie nach Rogers

Die Selbsttheorie nach Rogers ist im Kontext der humanistischen Ansätze der Persönlichkeitstheorien zu verstehen, d. h., der Mensch ist von Natur aus gut, besitzt ein immanentes Potenzial, um sich selbst zu entfalten bzw. zu verwirklichen und ist in seinem Wesen einzigartig. Diese Persönlichkeitstheorie von Carl Rogers ist das Ergebnis seiner jahrzehntelangen therapeutischen Arbeit mit Menschen. Nach Rogers wird der Organismus des Menschen nicht durch Triebe, sondern von einer einzigen zentralen Energie, der angeborenen Tendenz zur Selbstaktualisierung, Selbsterhaltung und Selbstverwirklichung, gesteuert.

Es dominieren in dieser Theorie die organismischen Aspekte, denn menschliches Verhalten wird aus einem inneren Bezugssystem des Individuums heraus verstanden. Dieses Bezugssytem setzt sich aus den subjektiven Erfahrungen des Individuums zusammen, die in ihrer Gesamtheit das einzigartige Erfahrungsfeld (phänomenales Feld) darstellen. Rogers stimmt nicht wie Erikson mit Freud überein, sondern steht im Widerspruch zu ihm, denn ihn stört die Vorstellung, dass der Mensch im Grunde irrational ist und dass seine Triebe auf Zerstörung seiner selbst und anderer angelegt sind, wenn sie nicht kontrolliert werden. Nach Rogers ist das menschliche Verhalten rational und bewegt sich in subtiler und geordneter Komplexität auf die Ziele zu, die sein Organismus zu erreichen versucht. Rogers entwickelte daher seine eigene Selbsttheorie, die davon ausgeht, dass das sogenannte Selbst bzw. die Wahrnehmung die jemand von sich selbst hat, im Mittelpunkt der Betrachtung steht. Einem Menschen geht es in erster Linie um die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse und gleichzeitig dem Bewahren seiner Person, indem er bestrebt ist, seine Eigenarten zu entfalten (Selbstaktualisierung). Da jeder Mensch zunehmend selbständiger und unabhängiger wird, entwickelt er eine ihm eigene und gemäße Form des Lebens. Geschieht dies nicht, gelingt also die Selbstaktualisierung nicht, kommt es in der Regel zu Verhaltensstörungen.

Das persönliches Wahrnehmungsfeld, das letzten Endes nur dem Individuum alleine zugänglich ist, wird von ständigen Sinneseindrücken, Erfahrungen und Wahrnehmungen geprägt, wobei viele dieser Eindrücke nicht bewusst, sondern unbewusst wahrgenommen werden. Ausschlaggebend für ein gesundes, wirkungsvolles und wirklichkeitsorientiertes Verhalten eines Menschen ist daher, dass das persönliche oder subjektive Verhalten nicht zu sehr von der Wirklichkeit abweicht. Die Selbstwahrnehmung wird bei einem Kinde im Laufe der Zeit immer deutlicher und das Selbst hebt sich immer mehr von den übrigen Dingen der kindlichen Welt ab.
Dadurch entwickelt ein Kind immer mehr eine eigene Persönlichkeit, bekommt eine Vorstellung von seinem Selbst, unterscheidet sich von seiner Umwelt und findet sein Selbstbild. Kinder die häufig Misserfolge erleben, laufen Gefahr, ein negatives Selbstbild und dadurch Minderwertigkeitsgefühle zu bekommen, woraus Angst vor Misserfolgen entsteht sich dieser Mensch im Leben nicht viel zutraut. Gleichzeitig kann ein Kind, das zu sehr im Mittelpunkt steht, ein unrealistisch positives Selbstbild entwickeln.

Die größte Gefahr von psychischen Störungen besteht nach Rogers darin, dass ein Mensch wichtige Erfahrungen leugnet und unterdrückt – sowohl die bewussten als auch die unbewussten – um sein Selbstbild nicht zu gefährden. Durch diese Leugnung kann das Selbstbild immer starrer und losgelöster von der Wirklichkeit werden. Dadurch entstehen zwangsläufig Spannungen zwischen der Vorstellung des eigenen Sein und den gemachten Erfahrungen.




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