dissoziative Amnesie

Als dissoziative Amnesie oder Erinnerungslücken bezeichnet man einen vorübergehenden Erinnerungsverlust für wichtige, meist traumatische und meist erst kurz zurückliegende Ereignisse. Eine solche dissoziative Flucht steht in der Regel in Zusammenhang mit traumatischen oder überwältigenden Lebensereignissen. Häufig finden sich solche Erinnerungslücken bei Trauerreaktionen oder in Zusammenhang mit extremen Belastungen.

Voraussetzung für die Diagnose einer dissoziative Amnesie ist die Abklärung, dass diese nicht durch Erschöpfung, hirnorganische Störungen oder Intoxikationen bedingt ist. Die Amnesie korreliert meist mit belastenden oder traumatischen Erlebnissen und ist in der Regel selektiv, d. h., Fertigkeiten wie etwa die Kulturtechniken bleiben erhalten. Die Symptomatik einer dissoziativen Amnesie bezieht sich dabei vorwiegend auf wichtige persönliche Bereiche und steht in deutlichem Zusammenhang mit psychodynamischen Prozessen. Dabei ist ein typisches Merkmal, das Gedächtnis bis zu jenem Zeitpunkt zu verlieren, zu dem noch alles in Ordnung war. Der Begriff dissoziativ bedeutet, dass sich ein Teil des Gehirns vom anderen löst. Dabei wird vermutlich der Frontalbereich im Gehirn, in dem Erinnerungen abgelegt sind, als eine Art Selbstschutzmechanismus vom Netzwerk abgekoppelt. Auch bei Menschen, die einen Mord begangen haben, konnte man beobachten, dass sie sich an die Tat selbst nicht erinnern konnten. Die dissoziative Amnesie hat oft eine Art Schutzfunktion, durch den die Psyche vor einer wiederholten Auseinandersetzung mit einem belastenden Ereignis geschützt wird.

Häufig zeigen von Amnesie Betroffene eine Vorgeschichte mit schweren Depressionen, wobei diese mit der Amnesie eine Art Flucht antreten. Man unterscheidet etwa dissoziative Störungen der Bewegung und der Sinnesempfindung, wobei es zu einem Verlust oder einer Veränderung von Bewegungsfunktionen oder Empfindungen ohne körperliche Ursache kommt, oftmals interpretierbar als Ausdruck eines innerpsychischen Konfliktes bzw. zum Zweck der Vermeidung äußerer Konflikte (psychogener Stimmverlust oder psychogene Taubheit).

Eine dissoziative Depersonalisation beschreibt eine Störung in Verbindung mit einem dauerhaften oder wiederkehrenden Gefühl des Losgelöstseins oder der Entfremdung vom eigenen Selbst. Typische Merkmale sind eine sensorische Unempfindlichkeit, ein Mangel an emotionalen Reaktionen und trotz erhaltener Realitätskontrolle das Gefühl, die eigenen Handlungen bzw. die eigene Sprache nicht vollständig beherrschen zu können. Eine dissoziative Störung im Sinne einer Trance ist durch eine vorübergehende Bewusstseinsveränderung verbunden mit dem Gefühl des Verlustes der persönlichen Identität gekennzeichnet. Das Bewusstsein erscheint dabei stark eingeengt, wobei zumeist nur eine selektive Wahrnehmung für Stimuli der Umgebung besteht. Bewegungen, Körperhaltungen und Äußerungen werden wie einem inneren Zwang folgend wiederholt und erscheinen ebenfalls eingeschränkt und stereotyp. In manchen Fällen einer dissoziativen Amnesie findet man auch Flashbacks.




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