Depersonalisations-Derealisationsstörung

Die wichtigsten Merkmale der DepersonalisationsDerealisationsstörung sind anhaltende oder wiederkehrende Episoden von Depersonalisation, Derealisation oder auch  beidem. Episoden von Depersonalisation sind durch ein Gefühl der Unwirklichkeit oder des Entferntseins von bzw. der Fremdheit gegenüber dem eigenen Selbst oder Aspekten des Selbst gekennzeichnet. Die Betroffenen können sich von ihrem ganzen Sein entfernt fühlen (»Ich bin nicht da«, »Ich bin niemand«, »Ich habe kein Selbst«), oder kann sich auch nur von einzelnen Aspekten seiner Gefühle entfernt fühlen (Hypoemotionalität: »Ich weiß, dass ich Gefühle habe, aber ich fühle sie nicht«), Gedanken (»Meine Gedanken fühlen sich nicht wie meine eigenen an», »Mein Kopf ist wie mit Watte gefüllt«), seinem Körper oder Körperteilen, oder seinen Körperempfindungen (Berührungen, Propriozeption, Hunger, Durst und Libido). Das Gefühl für die eigenen Handlungen kann verringert sein (z.B. sich roboterhaft oder wie ein Automat zu fühlen, oder das Gefühl, die eigene Rede und die eigenen Bewegungen nicht selbst zu steuern). Die Depersonalisation kann manchmal als eine Spaltung in ein beobachtendes und ein teilnehmendes Selbst erfahren werden, im Extrem als eine Form der »außerkörperlichen Erfahrung« (»out-of-body experience«). Im Begriff der Depersonalisation sind mehrere Symptombereiche zusammengefasst: Ungewöhnliche Körperwahrnehmungen (d.h. Unwirklichkeit des Selbst und Wahrnehmungsveränderungen), emotionale oder körperliche Taubheit und verzerrtes Zeiterleben und Veränderungen der Erinnerungsfähigkeit.

Von dem Depersonalisations-Derealisationssyndrom Betroffene befinden sich oft über Monate oder gar Jahre in einem veränderten Bewusstseinszustand, so als ob alles unwirklich und wie in einem Film sei, fühlen sich von ihren eigenen Empfindungen und der Außenwelt wie abgetrennt. Obwohl das Syndrom seit Jahrzehnten als psychische Störung bekannt ist, wird die Diagnose nur extrem selten gestellt bzw. Allgemeinmediziner, aber auch Fachärzte für psychische Erkrankungen, kennen das Syndrom häufig nicht, sodass die Betroffenen mitunter Jahre ohne angemessene Behandlung auskommen müssen. Typischerweise vermutet man zu Beginn der Erkrankung eine organische Ursache, weshalb zuerst Hausarzt, Neurologe oder auch der Augenarzt aufgesucht werden. Die befremdlichen Symptome machen den Betroffenen häufig Angst, sie befürchten, „verrückt“ zu werden oder die Kontrolle über sich zu verlieren, weshalb sie ihr Leben immer weiter einschränken. Viele ziehen nicht in Betracht, dass ein emotionales Problem die Ursache für ihr Leiden ist. Obwohl sich das Depersonalisations-Derealisationssyndrom eindeutig von psychotischen Erkrankungen wie der Schizophrenie abgrenzbar lässt, werden die Betroffenen nicht selten mit Antipsychotika behandelt. Die Therapie der Wahl ist jedoch eindeutig eine Psychotherapie, wobei es im ersten Schritt schon hilfreich ist, wenn man das Leiden ernst nimmt und eine Erklärung bieten kann.

Quelle
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-030l_S2k_Depersonalisations_Derealisationssyndrom_2014-09.pdf (14-11-21)





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