Convenience Sample

Convenience Sample bezeichnet eine nicht repräsentative Stichprobenauswahl an Hand von einfacher Verfügbarkeit (z.B. Studenten oder Freunde). Während man in der Markt- und Meinungsforschung außer bei qualitativen Vorstudien auf diese verzichtet, ist es in der Psychologie üblich, vor allem mit studentischen ProbandInnen zu arbeiten. Eine Analyse von zahlreichen psychologischen Studien durch Henrich, Heine und Norenzayan (2010) ergab, dass 96% aller Testpersonen aus westlichen Industriestaaten stammen, die aber nur knapp 12% der Weltbevölkerung ausmachen, wobei 67% der Versuchspersonen in amerikanischen Studien selbst PsychologiestudentInnen waren. Henrich, Heine und Norenzayan geben dieser Gruppe von ProbandInnen das Akronym WEIRD für „Western, Educated, Industrialized, Rich and Democratic“. Es kann nicht abgeschätzt werden, wie stark dieses Übermaß an studentischen ProbandInnen einen Bias bei den Ergebnissen verursacht, denn diese müssen nicht zwangsweise unzuverlässig sein. Dennoch sind Convenience Samples statistisch unsauber und damit im Grunde für viele wissenschaftliche Untersuchungen eher wenig geeignet. Vor allem über die Generalisierung von Ergebnissen kann man bei einer solchen Selektion von ProbandInnen meist nur spekulieren. Zwei Stufen der Fehlselektion lassen sich dabei ausmachen: Zum einen werden ProbandInnen primär in jenen Ländern gesucht, in denen Forschung auch stattfindet (WEIRD-Population), in denen dann auch noch die leicht verfügbaren StudentInnen überrepräsentiert sind. Henrich et al. (2010) kommen daher zu dem Schluss, dass sich deutliche Unterschiede im Vergleich zu anderen Subgruppen im Bereich der visuellen Wahrnehmung, im Kooperationsverhalten oder bei der Entscheidungsfindung zeigen. Vermutlich stammen daher manche Vorstellungen vom menschlichen Verhalten und deren Entwicklung auf Untersuchungen an einer Gruppe von Menschen, die psychologisch betrachtet nicht unbedingt repräsentativ für die Spezies Mensch zu sein scheint: „The findings suggested that members of WEIRD societies, including young children, are among the least representative populations one could find for generalizing about humans.“

Literatur
Henrich, J., Heine, S. J., & Norenzayan, A. (2010). The weirdest people in the world? Behavioral and Brain Sciences., 33, 61-135.





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