Borderline-Persönlichkeitsstörung
Der Name Borderline (Grenzlinie) geht darauf zurück, dass man das Krankheitsbild an der Grenze zwischen psychotischen und neurotischen Störungen eingeordnet hat. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) wird auch emotional instabile Persönlichkeitsstörung genannt. Neben impulsiven Handlungen wie etwa unkontrollierte Wutausbrüchen verspüren die Betroffenen oft eine große innere Leere, Selbstzweifel und haben Angst, verlassen zu werden. Gleichzeitig fürchten sie aber auch eine Nähe zu anderen Mitmenschen, was häufig zu zwar intensiven, aber unbeständigen Beziehungen führt. Zum Erscheinungsbild gehören daher sehr wechselhafte Stimmungen und Affekte, ein zerrüttetes Selbstbild, sehr unterschiedlich ausgeprägte Arten von traumabedingten Dissoziationen und damit verbundene Autoaggression sowie extreme zwischenmenschliche Sensibilität und extremes Emotionsgedächtnis. Vor allem die letzten beiden Symptome sind häufig Ursache für soziale Konflikte. Grundsätzlich können die Symptome bei den Betroffenen sehr unterschiedlich sein; viele davon gibt es sogar gegenteilig. Die Stärke der Störung ist von Person zu Person individuell, ebenso das damit verbundene Leiden und die individuellen Belastungserscheinungen. Es ist jedoch immer eine seelische Dauerbelastung gegeben, das Leben Betroffener ist nachhaltig beeinträchtigt. Die meist schon in der Kindheit und Jugend beginnende Borderline-Störung gehört zu den am häufigsten diagnostizierten Persönlichkeitsstörungen. Man schätzt, dass etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung davon betroffen sind, wobei 70 Prozent Frauen sind. Die genauen Ursachen der Störung sind noch nicht ganz geklärt, man vermutet aber das Vorliegen eines erblich bedingten überempfindlichen Nervensystem. Im Zusammenhang mit aktuellen Traumata wie Missbrauchserfahrung oder Scheidung der Eltern, kann sich daraus eine psychische Erkrankung entwickeln.
Das Hauptmerkmal der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine anhaltende emotionale Instabilität, die sich durch regelmäßig schnell aufschießende Zustände unerträglicher Hochspannung zeigt, die keinem bestimmtem Gefühl zugeordnet werden kann. Viele Bewältigungsmuster enthalten selbstschädigendes und selten auch ggf. fremdschädigendes impulsives Verhalten, das ganz unterschiedlich sein kann:
- Selbstverletzendes Verhalten wie Suizidversuche
- Hochrisikoverhalten, wie z.B. zu schnelles Fahren, Balancieren auf Brückengeländern
- Kaufsucht, Bulimie, Essanfälle, Kleptomanie,
- Unkontrolliertes sexuelles Verhalten, auch ohne HIV-Schutz oder wissentlich sogar mit HIV-positiven Partnern, auch Prostitution
- Substanzmissbrauch (Drogen, Alkohol, nicht verordnete Medikamente oder davon zuviel)
Selbstverletzung reduziert negative Gefühle
Menschen mit einer Borderline-Störung empfinden häufig extreme positive und negative Gefühle und beruhigen diese häufig durch Selbstverletzung, denn der selbst zugefügte Schmerz dämpft das Gefühlszentrum. Sie ritzen sich die Arme auf, trinken schädliche Substanzen oder verletzen sich mit Zigarettenglut, wobei ihnen dieses selbstverletzende Verhalten Erleichterung verschafft und ihren negativen Gefühlszustand lindert. Das konnte in neueren Untersuchungen auch mittels Magnetresonanztomografie nachgewiesen werden, wobei Amygdala, Insula und das vordere Cingulum bei negativen Gefühlen besonders aktiv waren, deren Aktivität aber durch nachfolgende intensive bzw. schmerzhafte Reize reduziert werden konnte.
Fachliche und gut verständliche Informationen zu Borderline: http://www.blumenwiesen.org
Quelle: http://www.heinz-h-online.de/
