Symptomverschreibung

Bei einer Symptomverschreibung wird als Form der paradoxen Intervention in einer Psychotherapie das als problematisch verstandene Verhalten noch gefördert.
Die Symptomverschreibung wurde vor allem in der systemischen Therapie eingesetzt, um Kommunikationsmuster zu verändern. Die Symptomverschreibung basiert auf der Annahme, dass ein Verhalten in einer sozialen Interaktion immer mit einer Funktion verbunden ist, wobei das gezeigte Verhalten oft auch unbewusst künstlich erzeugt und gezeigt wird. So wird etwa in einer Paartherapie, in der eine Frau ihrem Mann vorwirft, im Haushalt nicht mitzuhelfen, der Auftrag erteilt, bis zur nächsten Sitzung jede Tätigkeit im Haushaltzu unterlassen, wodurch das eventuell eigentliche Problem – nämlich der Gedanke, dass er permanent im Haushalt etwas tun müsse, aufgelöst wird. Wenn der Mann es dann nicht schafft, dieser Symptomverschreibung nachzukommen und das Symptom willentlich zu zeigen, dann erlebt er eine Abschwächung der Symptomatik, schafft er es  aber, das Symptom willentlich herbeizuführen, führt das zu einer erhöhten Selbstwirksamkeitserwartung. Besonders wirksam kann diese Methode vor allem dann sein, wenn vor allem der Kampf gegen das Symptom zu seiner Aufrechterhaltung beigetragen hat. Ein Beispiel aus der Schule wäre, dass bei einem Schüler, der während des Unterrichts dauernd mit Antworten herausplatzt, was enorm störend ist, und die bisher versuchte Strategie der Nichtbeachtung nicht erfolgreich war, von der Lehrerin gebeten wird, weiter mit den Antworten herauszuplatzen, aber zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Stunde.
In der Ericksonschen Hypnotherapie spielt die Symptomverschreibung eine wichtige Rolle, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Psychotherapiemodellen richtet Erickson seine Aufmerksamkeit in der Therapie nicht so sehr auf den Krankheitswert der Störungen, sondern auf die Fähigkeiten und Potentiale, sogar auf jene, die in der Störung selbst liegen. Symptome werden dabei nach Möglichkeit aber nicht als Defekte betrachtet, sondern als Besonderheiten, die in ihrem Muster zu verändern sind. Auf diese Weise sind verschiedenen Formen der Symptomverschreibung entstanden, wobei meist auch Widerstand in ähnlicher Weise behandelt wird, nämlich als Eigenart, die die Form der Intervention mitbestimmt. Nach Erickson ist eine Störung häufig durch Rigidität von Denk-, Emotions- und Verhaltensmustern bedingt, die es in der Therapie zu durchbrechen gilt.





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