Psychopharmakotherapie

Vor allem in der psychiatrischen Therapie ist die psychopharmakologische Behandlung zentral, wobei als Psychopharmaka Medikamente eingesetzt werden, die krankhafte Veränderungen des Erlebens und Verhaltens beeinflussen und die zur Behandlung psychischer Störungen geeignet sind. Je nach Wirkungsweise und den speziellen Einsatzgebieten bei verschiedenen Arten psychischer Störungen lassen sich die Psychopharmaka in verschiedene Gruppen einteilen. Ziel ist dabei, durch Psychopharmaka gesunde Persönlichkeitsanteile zu unterstützen und krankheitsbedingte Störungen des Erlebens und des Verhaltens zu verbessern. Wie alle Medikamente haben Psychopharmaka eine Reihe von Nebenwirkungen, die sich in der Kontrolle der Therapie minimieren lassen, wobei vor allem subjektiv störende Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Mundtrockenheit, die entweder bei weiteren Behandlungen spontan abklingen oder durch Dosiserniedrigung, Gegenmittel oder Umsetzen auf ein besser verträgliches Medikament verringert werden können. Für die Behandlung mit Psychopharmaka gilt in der Regel, dass sie in den meisten Fällen noch mindestens Wochen bis Monate nach dem Abklingen einer akuten psychischen Störung eingenommen werden müssen. Psychopharmaka sollten nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt abgesetzt werden, d. h., die Einnahme sollte nie plötzlich beendet, sondern langsam ausgeschlichen werden, um störende Absetzeffekte zu vermeiden.

Margraf & Schneider (2016) haben zahlreiche Studien ausgewertet, die die nachhaltige Wirkung von Psychopharmaka infrage stellen, teils sogar negative Folgen bei längerer Einnahme dokumentieren. Die derzeit verfügbaren Medikamente können die Symptome psychischer Störungen nicht dauerhaft lindern, denn Medikamente gegen Depression, Angststörungen und das Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätssyndrom wirken nur kurzfristig, denn setzt man sie ab, kehren die Symptome zurück. Psychotherapien wie die Kognitive Verhaltenstherapie erzielen langfristig deutlich besser Effekte, wobei das Hauptproblem der Psychotherapie nicht die Wirksamkeit oder Kosten sind, sondern die mangelnde Verfügbarkeit. Während Psychopharmaka schnell verabreicht werden könnten, müssen Betroffene oft lange auf einen Therapieplatz warten.

Literatur
Margraf, J. & Schneider, S. (2016). From neuroleptics to neuroscience and from Pavlov to psychotherapy: More than just the “emperor’s new treatments” for mental illnesses. EMBO Molecular Medicine, dos: 10.15252/emmm.201606650.




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