psychische Gesundheit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert psychische Gesundheit als „Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und imstande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen“. Nach Auffassung der WHO ist die psychische Gesundheit für den einzelnen Bürger eine Voraussetzung dafür, dass er sein intellektuelles und emotionales Potenzial verwirklichen und seine Rolle in der Gesellschaft, in der Ausbildung und im Arbeitsleben finden und erfüllen kann. Auf gesellschaftlicher Ebene trägt die psychische Gesundheit zum wirtschaftlichen Wohlstand, zur Solidarität und zur sozialen Gerechtigkeit bei.

Psychische Gesundheit befähigt Menschen, mit alltäglichen Anforderungen und Belastungen umzugehen und diese gut zu bewältigen. Dabei versucht der Organismus, sich den Belastungen anzupassen und trotzdem sein biologisches Gleichgewicht zu halten. Psychisch gesunde Menschen zeichnen sich durch Verhaltenseigenschaften aus wie Ausgeglichenheit und Gelassenheit trotz gelegentlicher Hektik, Aufregung und Überlastung, sowie Selbstvertrauen und allgemeine Zuversicht trotz möglicher Misserfolge oder Enttäuschungen. Besonders förderlich für die psychische Gesundheit sind eine ausgewogene Lebensweise mit abwechslungsreichen Aktivitäten und Erlebnissen, glückliche zwischenmenschliche Beziehungen, ein schönes und gesundes Umfeld, aber auch Zufriedenheit, Erfüllung und Anerkennung im Berufsleben. Psychische Gesundheit hängt auch damit zusammen, ob das Leben einigermaßen vorhersagbar und sicher ist, ob also klare Verhältnisse vorliegen und nicht Unsicherheiten den Alltag belasten. Ein wichtiger Schutzfaktor für die psychische Gesundheit sind positive Emotionen, d. h., dass Menschen alltägliche positive Aktivitäten brauchen, wobei positive Gefühle im Alltag mindestens drei Mal so häufig wie negative Gefühle vorkommen sollten. Ist das nämlich nicht der Fall, steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich, an einer Depression zu erkranken. Studien zeigen auch, dass Schlafstörungen nicht nur die psychische Gesundheit belasten sonder auch einen aktiven Einfluss auf die Leistung und das Wohlbefinden haben, wobei auch die Wahrnehmung seiner selbst und der Umgebung beeinflusst werden.

Entscheidend für die psychische Gesundheit ist eine Balance zwischen den Anforderungen und Belastungen einerseits und den Ressourcen und möglichen Verhaltensalternativen andererseits. Diese Balance kann sich mit jeder Lebensphase wie auch nach einschneidenden Ereignissen verlagern. Jede Verhaltensweise, die man im Lauf des Lebens neu erwirbt und die erfolgreicher macht, vermittelt einen kleinen Zuwachs an Selbstbestimmtheit und Kontrolle. Auch jede soziale Unterstützung, die man im Leben erhält, hilft dem Menschen, mit privaten und beruflichen Anforderungen besser umzugehen. Die Gesamtheit der persönlichen und sozialen Ressourcen im Wechselspiel mit den täglichen Anforderungen bestimmt letztendlich auch die Art der Stressbewältigung. Ist diese erfolgreich, kann man ein selbstbestimmtes Leben führen, bei dem Körper, Verhalten, Gefühle und Denken in einer ausgewogenen Balance zueinander stehen. Das erweitert auch die Möglichkeiten, ein sinnvolles und zufriedenes Leben zu führen.

Carl Rogers etwa betrachtet psychische Gesundheit als den normalen Werdegang des Lebens, während psychische Erkrankungen, Kriminalität und andere menschliche Schwierigkeiten als eine Störung dieser natürlichen Entwicklungsneigung angesehen werden.

Literatur
http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/glossar (11-09-21)
http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/PSYCHOTHERAPIE/Klientenzentrierte-Therapie-Rogers.shtml (11-09-21)
http://lexikon.stangl.eu/11395/schutzfaktor/ (11-09-21)





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