Enaktivismus

Der Enaktivismus ist ein theoretischer Ansatz innerhalb der Kognitionswissenschaften und basiert auf der Vorstellung, dass intelligentes Verhalten sich aus der Interaktion von Lebewesen mit ihrer Umwelt entwickelt. Im Enaktivismus definiert sich Wahrnehmung auf einer phänomenologischen Basis als Emergenz aus der Interaktion zwischen Subjekt und Welt, wobei sich aus dieser Interaktion intelligentes Verhalten von Lebewesen entwickelt.
Der Enaktivismus wendet sich gegen ältere Ansätze der Kognitionswissenschaften, die Geist allein auf mentale Repräsentationen zurückführen wollen, und versteht sich als Alternative zu Kognitivismus und Dualismus.
Der Enaktivismus versteht Kognition als ein grundsätzliches Merkmal lebender Organismen, das erst in der aktiven Interaktion autonomer und adaptiver Systeme mit ihrer Umgebung hervorgebracht wird, wobei höhere kognitive Leistungen eine Weiterentwicklung jenes grundlegenden Prozesses der Sinnstiftung sind, durch den Lebewesen die sie umgebende Welt perspektivisch in einen Ort von subjektiver Bedeutung und damit in eine Umwelt im eigentlichen Sinne transformieren. Der Enaktivismus betont die Kontinuitätsthese von Leben und Geist, wonach lebendige Systeme kognitive Systeme sind und der Prozess des Lebens ein Prozess der Kognition darstellt. Die Gleichsetzung der Kognition als Prozess der Sinnstiftung mit der Interaktion autonomer und adaptiver Systeme mit ihrer Umgebung bedeutet, dass lebende Organismen immer schon autonom und adaptiv sind, denn Leben und Kognition sind insofern eins, als höhere kognitive Leistungen denselben Prinzipien folgen, die auch schon bei einfachsten Lebensformen zu finden sind, auch wenn Kognitionen in Menschen anders ausgeprägt sind als etwa in Einzellern. Kognition ist für den Enaktivismus also eine ganzheitliche verkörperlichte Interaktion eines Individuums mit seiner Umwelt und ist im Wesentlichen ein relationales Phänomen (Stangl, 1989).
Der Begriff geht  auf das Buch „Der Baum der Erkenntnis“ von Humberto Maturana und Francisco Varela zurück.

Literatur
Maturana, H. & Varela, F. (1987). Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens. München: Goldmann.
Stangl, Werner (1989). Die Psychologie im Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Braunschweig: Friedr. Vieweg & Sohn.





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