Individualpsychologie

Die Individualpsychologie ist ein vor allem aus der Therapiepraxis entstandenes psychologischen System, das ein erstes Gesamtpsychotherapiemodell bildet, das sowohl die normale Psyche als auch Neurosen, Psychosen, Psychopathien, Prävention und Rehabilitation umfasst. Der Begriff Individualpsychologie betont die unteilbare Einheit von Körper, Seele und Geist des Individuums, was auch als Abgrenzung gegenüber dem Freudschen Persönlichkeitsmodell gedacht war, das mehrere miteinander in Konflikt liegende psychische Instanzen postulierte. Bei Adler zieht das gesamte seelische Geschehen an einem Strang. Zwar unterscheidet er wie Freud zwischen bewussten und unbewussten Vorgängen, aber das Unbewusste führt kein den Tendenzen des Bewusstseins entgegengesetztes Eigenleben. Auch die verschiedenen psychischen Funktionen wie Denken, Fühlen, Handeln, Wahrnehmen, Lernen stehen alle im Dienst einer einheitlich ausgerichteten Motivation. Die Individualpsychologie geht nicht von einzelnen Elementen aus, sondern vom Menschen als einem organischen Ganzen. Die Nähe der Ideen Adlers zur Ganzheits- und Gestaltpsychologie wird häufig hervorgehoben.

Der Kerngedanke von Adlers Persönlichkeitstheorie ist das Konzept eines einheitlichen, zielgerichteten, schöpferischen Individuums, das in gesundem Zustand in einer positiven, konstruktiven, ethischen Beziehung zu seinen Mitmenschen steht. Die Einheit der Persönlichkeit ist eine souveräne und selbstbestimmende Macht, die durch innere und äußere Einflüsse mitgeformt wird. Alles Seelenleben ist zielgerichtet. Der Mensch ist weder durch seine Erbanlagen, noch durch frühkindliche Umwelteinflüsse vollständig kausal determiniert.

Alfred Adlers Persönlichkeitstheorie, seiner Beschreibung und Erklärung des Phänomens seelischer Krankheit, der von ihm betonten Nähe seines psychologischen Systems zu anderen Wissenschaftsbereichen, vor allem zur Pädagogik und Soziologie, ist eine teleologisch-ganzheitliche und die Aktivität des Subjekts betonende Sichtweise immanent, die ebenfalls sehr aktuell anmutet. Adler hielt wenig von der Experimentalpsychologie, da er überzeugt war, dass sie den Einzelmenschen in unzusammenhängende Einzelteile zerstückelt und dass die so gewonnenen Ergebnisse für das Verstehen des Einzelnen wenig bringen können. Für ihn war klar, dass ein ,gutes‘ oder ,schlechtes‘ Gedächtnis nicht einfach eine gehirnphysiologische Angelegenheit ist (wie dies etwa Ebbinghaus glaubte), sondern seinen Sinn im Rahmen der gesamten Persönlichkeit hat. So war er beispielsweise der Ansicht, dass ein Mensch möglicherweise deshalb ein ,schlechtes‘ Gedächtnis entwickelt, um sich verantwortungsvollen Aufgaben entziehen zu können. Adler ging es um das Verständnis der Ganzheit des Individuums. Natürlich richtete auch Adler das Augenmerk auf Teilaspekte der Persönlichkeit, aber er war überzeugt, dass die einzelnen Züge eines Menschen wiederum nur auf dem Hintergrund seiner Ganzheit zu verstehen sind.

Literatur
http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/WISSENSCHAFTPSYCHOLOGIE/PSYCHOLOGEN/Adler.shtml (09-11-21)

 

 





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