Apophänie

Als Apophänie bezeichnet man das wahrnehmungspsychologische Phänomen, dass Menschen die Realität plötzlich als doppelbödig empfinden, wobei banale und zufällige Alltagserlebnisse, ein Gespräch mit dem Nachbarn, die Bemerkung eines Radiomoderators, ein vorbeifahrendes Auto eine tiefere, oft bedrohliche Bedeutung erhalten. Für die Betroffenen – man findet das Phänomen oft im Zusammenhang mit Wahnerkrankungen – hängt alles mit allem zusammen, alles ist verknüpft, möglicherweise Teil einer Verschwörung oder eines Komplotts. Psychologisch betrachtet hat sich die angeborene Fähigkeit zur Mustererkennung im Alltag selbstständig gemacht hat und der vom Wahn Betroffenen sieht Muster dort, wo keine sind. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts versuchten Wissenschaftler diesem Phänomen auf den Grund zu gehen. In der Gestalttheorie hat man eingehend  mit der Fähigkeit des menschlichen Gehirns beschäftigt, Erscheinungen aus der Umwelt zu einem Ganzen zu ordnen und ihnen eine Gestalt zu geben bzw. in der Umwelt Muster zu erkennen.
Apophänie lässt sich auch als soziales Phänomen begreifen, denn zahlreiche Verschwörungstheorien sind nichts anderes als der Versuch, das Weltgeschehen zu deuten und dabei im Verborgenen tätige Mächte zu entlarven. Manche dieser Theorien haben einen wahren Kern, der es den Verschwörungstheorien leicht macht, sich in den Köpfen von Menschen festzusetzen.

Literatur
Conrad, K. (1958). Die beginnende Schizophrenie. Versuch einer Gestaltanalyse des Wahns. Stuttgart: Thieme.




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