Profiler

Der auch bei uns eingebürgerte englische Begriff Profiler für einen Psychologen, der in Diensten der Polizei arbeitet, ist zwar weit verbreitet, jedoch inhaltlich zutreffender ist der Begriff Fallanalytiker, da eine Profilerstellung ohne die zuvor durchgeführte Fallanalyse mit ihrem zentralen analytischen Prozess der Tatrekonstruktion unseriös wäre und sich die Analyse immer auf den gesamten Fall und eben nicht nur auf die vermuteten Persönlichkeitsmerkmale des unbekannten Täters bezieht. Die bei den Polizeidienststellen eintreffenden Anfragen von ambitionierten Interessenten – meist Studenten -, die gerne eine Ausbildung zum Profiler machen möchten, sind getragen von den realitätsfernen Darstellungen der Medien und haben wenig mit den tatsächlichen Rahmenbedingungen im polizeilichen Alltag zu tun.

Die operative Fallanalyse wird von speziell fortgebildeten erfahrenen Polizisten, Kriminalisten und einigen Psychologen durchgeführt, die über die gleichen polizeilichen Erfahrungen verfügen und die gleichen polizeiinternen Aus- und Fortbildungen haben. In der Regel sind es Kriminalbeamte, die nach ihrer Polizeiausbildung mit einem Studium an einer Fachhochschule noch ein Studium der Psychologie an einer Universität absolviert haben. Bei der operativen Fallanalyse handelt es sich um ein kriminalisitisches Werkzeug, welches das Fallverständnis bei Tötungs- und sexuellen Gewaltdelikten sowie anderen geeigneten Fällen von besonderer Bedeutung auf der Grundlage objektiver Daten und möglichst umfassender Informationen zum Opfer mit dem Ziel vertieft, ermittlungsunterstützende Hinweise zu erarbeiten. Ein Fallanalytiker erstellt keine psychologischen Täterprofile fertigt auch kein charakteristisches Erscheinungs- und Persönlichkeitsbild eines unbekannten Straftäters, da dies nicht möglich ist. Eine Fallanalyse kann unter bestimmten Umständen Entscheidungshilfen für die Strukturierung von Ermittlungen geben, etwa dass eine Ermittlung im regionalen Raum beginnen und sich auf 20- bis 40-jährige Männer konzentrieren sollte, woraufhin dann spezialisierter gefahndet werden kann.

Literatur
Gelitz, C.  (Hrsg.) (2013). Profiler & Co. Kriminalpsychologen auf den Spuren des Verbrechens. Stuttgart: Schattauer.
Musolff, C. & Hoffmann, J. (Hrsg. (2001). Täterprofile bei Gewaltverbrechen: Mythos, Theorie und Praxis des Profilings. Berlin: Springer.





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